Überregionales : Neuer Rückschlag am BER SEIT NICHTERÖFFNUNG

Ein geheimer Tüv-Bericht offenbart bisher unbekannte Mängel – Eröffnung vor 2021 unwahrscheinlich

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22.11.2017 22:37

Potsdam - 2000 Tage nach der geplatzten BER-Eröffnung 2012 drohen am unvollendeten Hauptstadtflughafen in Schönefeld erneut Verzögerungen. Drei Wochen vor der geplanten Bekanntgabe eines neuen Eröffnungstermins, den Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am 15. Dezember dem Aufsichtsrat vorschlagen will, ist die Lage auf der Baustelle dramatischer als bisher bekannt. Das geht aus einem aktuellen Lagebericht für die oberste Bauaufsicht Brandenburgs und aus einem Statusbericht des Tüv Rheinland vom 2. November 2017 hervor, die den PNN vorliegen. Es gibt danach gravierende Defizite bei den technischen Systemen, vor allem erneut beim Brandschutz.

Der Tüv hat die Funktionstüchtigkeit der „sicherheitstechnischen Gebäudeausrüstung“ – also auch die Brandschutzanlage – im Fluggastterminal geprüft. Und zwar im Mainpier Nord, und dort erhebliche Mängel festgestellt. Betroffen und nicht abnahmefähig sind nach dem Tüv-Dokument und dem BER-Lagebericht für die oberste Bauaufsicht Brandenburgs von Mitte November 2017 die Entrauchungssteuerung, die Sprinkleranlagen, die Brandmeldeanlage, die elektroakustischen Notwarnsysteme und die Sicherheitsbeleuchtung. Eine „Wirksamkeit und Betriebssicherheit“ sei „nicht gegeben“, heißt es. Der Tüv Rheinland hatte zehn Anlagen geprüft. In sechs davon wurden nach dem Statusbericht „wesentliche Mängel“ festgestellt. „In allen weiteren Anlagengruppen wurden weitere Mängel festgestellt.“

Die Feststellungen sind teilweise so gravierend, dass der erst seit 1. September 2017 geltende neue Rahmenterminplan, der eine Fertigstellung aller Bauarbeiten bis zum 31. August 2018 vorsieht, wieder ins Rutschen geraten kann. „In Teilbereichen ergibt sich aus den eingetretenen Risiken ein Planungs- und Bausoll.“ Es seien teilweise „systemische Mängel“, die laut Tüv auf andere Bereiche des Fluggastterminals übertragen werden können.

Auf der Pressekonferenz nach der Aufsichtsratssitzung am vergangenen Freitag hatte Flughafenchef Lütke Daldrup Fragen, ob der aktuelle Terminplan auch eingehalten wird, ausweichend beantwortet. Im BER-Sonderausschuss Brandenburgs sagte er am Montag, dass „bei Sachverständigenprüfungen festgestellte Mängel in Ordnung gebracht werden müssen“. Er sprach von einem „anspruchsvollen Zeitplan“ auf der Baustelle.

Während es nach Angaben von Lütke Daldrup bei der Inbetriebnahme der Automatiktüren im Terminal vorangeht – 82 Prozent der Türen sind inzwischen fertig –, zieht sich der ebenfalls nötige Umbau der Sprinkleranlage im BER-Terminal hin. Inzwischen liegen dafür 104 hydraulische Berechnungen vor, das sind 80 Prozent. In 48 Bereichen davon kamen sie zum Ergebnis, dass die Sprinkleranlage nicht richtig funktioniert, es dort „unzulässige Druckverluste“ oder „zu hohe Durchflussmengen“ gibt. In erheblichem Umfang müssen Rohre nachgerüstet werden. Vier von acht Planungen liegen dafür vor, begonnen hat der Umbau noch nicht. Für Sanierung, Fertigstellung und erste Erweiterungen am zu kleinen BER sind seit der geplatzten Eröffnung 2012 inzwischen 3,3 Milliarden Euro bewilligt worden, womit die Kosten auf 6,6 Milliarden Euro gestiegen sind. Ursprünglich waren für den Bau des neuen Flughafens, den die Flughafengesellschaft Berlins, Brandenburgs und des Bundes (FBB) in eigener Regie errichtet, 2,5 Milliarden Euro kalkuliert worden. Nach sechs gescheiterten Inbetriebnahmen – im Januar war ein Start 2017 abgesagt worden – galt zuletzt eine Eröffnung im Frühjahr oder Herbst 2020 als realistisch. Das ist jetzt wieder fraglich.

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