Tatort-Kritik : Kein Puff für Batman

Ein selbst ernannter Superheld versucht im Münsteraner Tatort "Der Hammer" (Sonntag, ARD, 20.15 Uhr) die Stadt vor der Errichtung eines Großbordells zu retten: Man ist einiges von Münster gewohnt - aber das ist hart.

Oliver Dietrich

Man hat ja von den Münsteraner Ermittlern so einiges präsentiert bekommen und weiß ganz genau, dass Unterhaltung hier vor Ernsthaftigkeit geht. Aber die Grenze zwischen Klamauk und Peinlichkeit ist oftmals ein ganz schmaler Grat - und diesmal wird er überschritten. Ein Comic aus Münster? Leider ja: Mit einer derart banalen Story mutet der Tatort dem Zuschauer einfach zu viel zu. 

Ganz in Edgar-Wallace-Optik beginnt der Tatort, unter Vollmond, nachts - ein Nachtbus fährt durch den Nieselregen, auf der Rückbank hat es sich ein Clochard bequem gemacht, als plötzlich eine Leiche vom Himmel fällt, genau vor den Bus. Und als ob das noch nicht reicht, wird der bereits Tote auch noch von zwei besoffenen Jugendlichen überfahren. "Teufel! Von dem ist ja kaum noch was übrig", entfährt es Kommissar Thiel (Axel Prahl), als er am Fundort eintrifft. Und los: Ab jetzt wird das Münsteraner Klamauk-Programm gefahren. Ulkig, wie Thiel sich mit dem Gürtel an einer Türklinke verfängt - und als Professor Boerne (Jan Josef Liefers) mit kurzen Haaren, weißem Sakko und Fliege eintrifft, knurrt Thiel ihn nur an: "Herr Ober, ich nehm ein Kännchen Kaffee." Dass die Münsteraner Frotzeleien gut zünden, wissen wir ja bereits. Und haben das auch erwartet: "Das ist hier immer noch ein Tatort und kein Spielplatz für unterforderte Mittelstandsakademiker", bellt Thiel Boerne an. Der kontert: "Deswegen sind wir so ein unschlagbares Team. Meine Unterforderung wird kompensiert durch Ihre permanente Überforderung." Die sind so knuffig, die beiden!

Ach so, es gibt ja abseits des Thiel-Boerne-Beleidigungspingpong noch eine Story (Buch und Regie: Lars Kraume). Also: Der Tote war der Bauunternehmer Dr. Wolfgang Öhrie, und er wurde mit Säure bespritzt und dann mit einem Hammer erschlagen, bevor er auf die Straße geworfen wurde. Aber wer macht denn so was? Das erfahren wir diesmal gleich zu Anfang: Als der vernarbte, goldkettchentragende Zuhälter Bruno Vogler (großartiger Gastauftritt: Frank Zander) in seinem Ferrari ins Parkhaus fährt, wird er nämlich schon erwartet. "Ich bin der Hammer", sagt die Figur in Strumpfmaske, Umhang und Plastik-Sackschutz, die eine Wasserspritzpistole bei sich hat. "Ich werde diese Stadt vom Abschaum befreien!" Nur kurz darf der Lude über diese Witzfigur lachen, bevor der Hammer mit dem Hammer auch ihn aus den Edellatschen haut. So eine hohe Mordfrequenz hat sonst eigentlich nur der Hamburger Tatort mit, na, Sie wissen schon wer.

In Münster ist nämlich, ähnlich Hamburg, Sodom und Gomorrha, im westfälischen Sündenbabel soll demnächst ein Großbordell, ein Flatratepuff, aufmachen, und eine Bürgerinitiative marschiert dagegen an, allen voran Thiels Vadder (Claus D. Clausnitzer) mit grimmigem Blick. Und das wird klamaukig bis zur Schmerzgrenze: "Kein Puff in Münsterland, unser Land ist abgebrannt", skandiert die Menge. Hä? Egal, ist eben Münster. Aber so eine Hippie-Kommune als Bürgerinitiative ist doch ein hervorragender Pool an Verdächtigen.

Nun ja, eigentlich müssen die Ermittler jetzt nur noch herausfinden, wer dieser Batman eigentlich ist. Zeit genug haben sie, da das Drehbuch so löchrig ist, dass es eben mit den üblichen Dialogen aufgefüllt werden kann. Ob man sich den Quatsch bis zum Schluss gibt, muss man jedoch selbst entscheiden: Hardcore-Münster-Fans werden wieder ihren Spaß an den Ermittlern haben, wer eher einen guten Tatort bevorzugt, sollte etwas anderes machen. Ein Highlight ist dieser Murks allemal nicht. Da hilft auch der Auftritt von Milan Peschel nicht, der ja ein Abonnement auf gebrochene Charaktere hat. Aber als Unterhosen-Batman wird er einfach nur verbrannt.

Oliver Dietrich hat lange seine schützende Hand über die Münsteraner Ermittler gehalten, aber dieser debile Comic ging ihm zu weit. Er bevorzugt stattdessen lieber ein Lustiges Taschenbuch. Oder Fix&Foxi. Ein Yps-Heftchen. Oder die Simpsons. Entscheidungen sind manchmal hart!