Tatort-Kritik : Kaputte Kommissare

Der Münchner Tatort "Der Tod ist unser ganzes Leben" (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD) schließt an den ungelösten Fall vom letzten Jahr an - und macht eine Thriller daraus.

Oliver Dietrich

Wer erinnert sich noch an den Tatort "Die Wahrheit" vom Oktober letzten Jahres? Dort gab es einen scheinbar zufälligen Mord, dessen erdrückende Sinnlosigkeit die Ermittler fast in den Wahnsinn trieb. Noch dazu blieb der Fall unaufgeklärt - ein seltenes Ereignis im Tatort. Ein unbefriedigender Zustand, der jetzt erst aufgelöst wird: In dem Fall "Der Tod ist unser ganzes Leben" wird direkt an die Erzählung angeknüpft, und diesmal gibt sich der Täter zu erkennen. Dabei geht es gar nicht darum, wie ihm auf die Schliche gekommen wird, sondern wie sehr die Tat in das Leben der Beteiligten eingreift. Entstanden ist ein düsterer Thriller, dessen stimmungsvolle Bilder darüber hinwegtrösten, dass es mit der Glaubwürdigkeit nicht ganz hinhaut.

Worum geht's?

Ein jahr nach dem Mord an Ben Schröder gibt es wieder einen Mordversuch, ein  junger Mann wird am hellichten Tag attackiert, ein Motiv ist nicht erkennbar. Die Handschrift ist jedoch eindeutig - und der Zuschauer ist diesmal dabei, wenn Thomas Barthold (Gerhard Liebmann) das Messer zückt. Doh das Opfer überlebt diesmal, und es gibt Hinweise, die zu dem Mörder führen. Der Zugriff findet recht unspektakulär statt, ohne viele Worte verhaften Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) den Täter. Der ist ein leiser Psychopath, der seine Arithmomanie zum Töten benutzt: Gerhard Liebmann spielt den Killer mit sanfter Stimme und leichter Kevin-Spacey-Optik. Als Barthold mit einem Gefangenentransport zu einer Vernehmung gebracht wird, eskaliert die Fahrt: Der Transporter bleibt liegen, kurz darauf sind Barthold und zwei Justizbeamte tot, und die Kommissare beide schwer verletzt. Der Tatort setzt mit Rückblendungen und Befragungen daran an und versucht in bewährter Thriller-Manier, eine schrittweise Aufklärung zu liefern.

Worum es wirklich geht

Um Loyalität, und darum, ob es eine Wahrheit hinter der Wahrheit gibt. Denn Batic lügt ganz offensichtlich darüber, was genau geschehen ist - für sienen Kollegen Leitmayr, immerhin seit 26 Jahren an seiner Seite, ein unfassbares Verhalten. Wer hat wen erschossen, wie kam es dazu, was verschweigt Batic? Und warum behauptet er einen Telefonanruf, den es nachweislich nie s gegeben haben kann? Das Vertrauen zwischen den beiden wird auf eine ganz harte Probe gestellt. Kann es mit den Kommissaren überhaupt weitergehen?

Sollte man den Tatort sehen?

Wenn man ein Anhänger der dienstältesten Ermittler ist, führt gar kein Weg daran vorbei - so nah kommt man den Münchner Ermittlern nämlich selten. Dass die Story (Buch: Holger Joos und Erol Yesilkaya) streckenweise ganz schön gedehnt und gedreht werden muss, um funktionieren zu können, muss man eben hinnehmen. Belohnt wird man dafür mit einem stimmungsvollen Film, in dem zwei zerstörte Kommissare durch eine Zeitlupen-Szenerie (Regie: Philip Koch) hinken, die immer wieder zwiwchen verschiedenen Ebenen hin- und herspringt. Spannend ist der Film deshalb auch geworden, wenn er es auch nicht schafft, an den großartigen Vorgänger anzuschließen.