Tatort-Kritik : Ist da Esel drin?

Nach den zwei großartigen Auftakt-Filmen geht es beim dritten Franken-Tatort "Am Ende geht man nackt" (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD) steil bergab.

Oliver Dietrich
Tschetschenischer Blick: Voss neben Kollegin Ringelhahn.
Tschetschenischer Blick: Voss neben Kollegin Ringelhahn.Foto: BR/Fabian Stoffers

Das ist er wieder, der Tatort als Spiegel der Gesellschaft: Was die Republik bewegt, findet sich automatisch am Sonntagabend bei der ARD wieder. Diesmal: die Flüchtlingskrise. Mal wieder. Das ist logisch und löblich, aber für den Nürnberger Tatort, der ja mit den großartigen Pilotfilmen "Der Himmel ist kein Platz auf Erden" und "Das Recht, sich zu sorgen" gestartet ist, ist dieser Versuch reichlich dünn. Und das auf ganzer Linie: Weder wird den Schauspielern genug Raum zum Entfalten gegeben, noch taugt die mit der Brechstange konzipierte Story (Buch: Holger Karsten Schmidt) irgendetwas. Ist das jetzt der große Knick der fränkischen Ermittler? Schade eigentlich, hatte Regisseur Markus Imboden doch zuletzt etwa mit dem Frankfurt-Tatort "Wendehammer" einen flüssigen Film gedreht, der Lust auf mehr macht. Vielleicht ist die Luft raus. 

Worum geht's?

Stimmung im Flüchtlingsheim: Da wird gekocht, gesungen und getanzt - bis der Molotow-Cocktail reinfliegt. Panik bricht aus, es brennt, als sich der Rauch legt, ist eine der Bewohnerinnen tot. Das Setting ist denkbar düster, keine Frage. Aber irgendwie muss dieser Tatort dort immer noch halbherzigen Klamauk rausschlagen. Da kommt Kommissar Voss (fabian Hinrichs) zufälligerweise gerade mit dem Flugzeug (oder dem Fahrrad?) vom Besuch seiner tschetschenischen Verwandtschaft (ja, wirklich!) - und weil im Flüchtlingsheim aus Angst vor Abschiebung eh keiner mit der Polizei redet, schleust sich Voss kurzerhand selbst als Tschetschene ein. Kein Problem, wenn man den Rucksack voller tschetschenischer Wurst hat, der Eintrittskarte in die Welt der Asyl-Dauerschleife. Geteilte Ermittlungen also: Voss von innen, Ringelhahn (Dagmar Manzel) von außen. 

Worum es wirklich geht

Um die schlimme Welt der Flüchtlingsheime, wo diese in der deutschen Bürokratie so lange sämtlicher Illusionen beraubt werden, bis nur noch die Kriminalität übrig bleibt. Da hätte der Tatort auch mal besser ansetzen müssen: So bleibt nicht viel von der Realität. Im Ernst: Fabian Hinrichs als deutschsprachiger Tschetschene, der in jeder brenzligen Situation seinen Dienstausweis aus dem Schuh zieht - das glaubt doch kein Mensch. Und seine Wurst als Running Gag: "Ist da Esel drin?" In der Wurst wissen wir nicht, aber im Film irgendwie schon. Und auf die Überraschung wartet man irgendwie vergebens. 

Soll man den Tatort gucken?

Ach nee, lieber nicht. Wenn man die ersten beiden Filme noch im Hinterkopf hat, bleibt einem nichts anderes übrig, als sich über den dritten Franken-Tatort zu ärgern. Irgendwie wirkt alles so diffus wie der Fake-Akzent, den alle Beteiligten dort zu sprechen scheinen. Gut, wir wissen, dass die Situation fürdeutsche Flüchtlinge nicht immer berauschend ist. Das aber so als Erkenntnisgewinn verkaufen zu wollen, ist reichlich dünn. Und nicht mehr als eine Schwarz-weiß-Zeichnung, in der jede Gruppe ihr Fett wegbekommt: die blöden Nazis, die unfähigen Bullen, der schmierige Tunesier, der alles angräbt. Ein Lichtblick vielleicht für unsere Potsdamer Zuschauer: Wer sich ab und zu ins Hans Otto Theater verirrt, wird eine alte Bekannte im Tatort leicht wiedererkennen können - Patrizia Carlucci. Die kann den Film leider auch nicht mehr retten. Schade!