Tatort-Kritik : Freud lässt grüßen

Der Weimarer Tatort "Der scheidende Schupo" (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD) beweist, dass man Krimis auch durchaus mit Esprit machen kann. Herrlich!

Oliver Dietrich

In Münster bleibt das Lachen stellenweise auf der Strecke, in Saarbrücken will es sich gar nicht erst einstellen: Nur der MDR-Tatort aus Weimar mit Christian Ulmen als Kommissar Lessing und Nora Tschirner als Kommissarin Kira Dorn bringt noch zuverlässig Schwung in die Bude. Von Slapstick bis Nonsense ist alles dabei, die Krönung sind jedoch die absurden Dialoge der Ermittler. Das Drehbuch kommt wie immer von Murmel Clausen und Andreas Pflüger, da setzt der Weimar-Tatort ganz auf konsequenten Erfolg. Regie führte Sebastian Marka: Der hatte zuletzt den Wiesbaden-Tatort "Es lebe der Tod" inszeniert, und zwar als sehenswerten Psychothriller. Hier zeigt er, dass er auch ganz gut witzig kann. 

Worum geht's?

Polizeikollege Ludwig Maria Pohl (Arndt Schwering-Sohnrey), kurz Lupo genannt, ist eher von der unauffälligen Sorte, ein braver Rosenliebhaber, der heimlich auf Kira Dorn steht - und sogar eine Rose nach ihr benannt hat. Doch jetzt geht es beim netten Lupo drunter und drüber: Erst verlässt er seine Freundin Andrea (Florentine Schara), um endlich mit Kira Dorn zusammen zu sein, die von ihrem Glück jedoch nichts ahnt - kurz darauf steht Andrea im Rosenbeet, in dem eine mit Semtex gefüllte englische Fliegerbombe unter ihr explodiert und sie in tausend Stücke reißt. Kurz darauf landet Lupo im Krankenhaus: Jemand hat den Kakaotrinker mit Rizin vergiftet. Allen bleiben nur noch drei Tage, um das Geflecht zu entwirren, das sich um Lupos Leben gebildet hat.

Worum es wirklich geht

Um Sigmund Freud, keine Frage: Um den kommt man gar nicht umhin, dient er doch als Erklärungsansatz für all die verkorksten Beziehungen der Charaktere des Filmes: die beiden ungleichen Schwestern Amelie (Laura Tonke) und Desirée (Katharina Heyer), die sich um ein Patent ihres Vaters streiten, ein Großmogul einer Weimarer Porzellanfabrik, der unzerbrechliches Porzellan erfunden hat. Allerdings war der wohl auch mit allen in der Kiste, die in Weimar zur Verfügung standen - und hat zahlreiche Kinder gezeugt. Eins davon ist anscheinend Lupo, der damit zum Großerbe aufsteigen würde. Allerdings gibt es da noch die ehemalige Kindergärtnerin Olga Kruschwitz (Carmen-Maja Antoni), die ganz Weimar kennt, weil die uneheliche Brut unter ihren Fittichen aufgewachsen ist. Da ist reichlich Potenzial für psychologische Verstrickungen. 

Sollte man den Tatort gucken?

Auf jeden Fall! Wer sich in der vergangenen Woche beim Striesow-Tatort aus Saarbrücken gelangweilt hat, bekommt jetzt die volle Breitseite Trost: Witziger geht es kaum. Ulmen und Tschirner nimmt man zwar - sorry! - immer noch nicht die Polizeikommissare ab, aber darum geht es bei dem Slapstick-Streifen auch gar nicht. Der nimmt sich lieber einen Haufen Kinderkacke vor, der sich in einem sündhaft teuren Gerät namens "Exkrema 7500" im Kofferraum der Ermittler befindet und eigentlich entsorgt werden soll. Richtig: Kinderkacke. Na dann viel Spaß!