Tatort-Kritik : Drehbuch zu, Vorhang auf!

Laiendarsteller, kein Drehbuch, Pfälzer Mundart: Der Tatort "Babbeldasch" (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD) von Axel Ranisch ist von einem herkömmlichen Tatort weit entfernt. Doch gerade deshalb lohnt er sich.

Oliver Dietrich
Wartet auf den Bühnenauftritt von Kollegin Odenthal: die Ludwigshafener Kripo.
Wartet auf den Bühnenauftritt von Kollegin Odenthal: die Ludwigshafener Kripo.Foto: SWR/Martin Furch

Achtung, das ist eine Warnung: Wer sich zu den Tatort-Puristen zählt, der einfach nur einen soliden Krimi bevorzugt, sollte sich den Tatort aus Ludwigshafen gar nicht erst ansehen. Der fällt nämlich völlig aus der Reihe: Eine "Kriminaloperette ohne Gesang" nennt HFF-Absolvent Axel Ranisch ("Dicke Mädchen", "Alki, Alki") seine erste Arbeit für den Tatort. Der trägt Ranischs Handschrift aber richtig deutlich - ein ausformuliertes Drehbuch sparte er sich, die Darsteller sind von der Laientheaterbühne "Hemshofschachtel", während der chronologischen Dreharbeiten wussten selbst die Darsteller nicht, wer der Mörder letztlich ist - und dann auch noch alles in Pfälzischer Mundart. Klar, das muss ja schiefgehen, was denn sonst. Tut es aber nicht. 

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Worum geht's?

Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) bekommt vom Kollegen Becker (Peter Espeloer) Theaterkarten für die Ludwigshafener Bühne "Babbeldasch" - zur Premiere des neuen Stückes "Die Oma gibt Gas" (sic!). Mitten im Stück dann ein Aufschrei: Chefin und Hauptdarstellerin Sophie Fettèr (Malou Mott) liegt mit einem allergischen Schock hinter der Bühne und stirbt. Odenthal glaubt nicht an ein Unglück - und dann erscheint ihr nachts auch noch Sophie Fettèr und behauptet, das sei Mord gewesen. Und tatsächlich: Irgendjemand hat ihr trotz Mohnallergie eine Mohnfüllung ins Croissant gespritzt - und das Notfallbesteck ist auch verschwunden. Odenthal schleust sich kurzerhand selbst in die Theatergruppe ein - und in eine Welt voller Intrigen, Leidenschaft und Probleme. Und einer dieser Menschen, die ihr ans Herz wachsen, muss ein Mörder sein. 

Worum es wirklich geht

Um die Liebe zum Theater, die Leidenschaft zum Spiel. Hier wird den ganzen aufgeputschten Hochglanz-Tatort-Filmen aus Dortmund und Berlin ein ganz simples Konzept entgegengestellt. Und das hat durchaus Charme: Allein schon die ungekünstelten Dialoge haben einen ganz eigenen Flow, und endlich können die zerstrittenen Charaktere in Ludwigshafen mal zum kollektiven Gruppenkuscheln auflaufen. Da passt Frau Keller (Annalena Schmidt) sogar murrend auf die kranken Kinder von Johanna Stern (Lisa Bitter) auf, die kurz darauf sogar das Du von Kollegin Odenthal angeboten bekommt. Einfach mal ein liebenswerter Tatort, bei dem es nicht mal wirklich Tote gibt. 

Sollte man den Tatort gucken?

Na unbedingt, worüber soll man denn sonst am Montag reden? Na gut, darüber vielleicht, dass man schon wieder keinen Tatort serviert bekommen hat. Aber dafür bekommt man einen launigen Ausflug in die Welt der kleinen Bühnen dieses Landes, mit allen ihren Widrigkeiten. Und vielleicht schafft es dieser Ausnahme-Tatort ja auch, dass sich der ein oder andere aufrafft und mal wieder ein Theater von innen sehen will. Noch gibt es sie nämlich, diese kleinen Bühnen mit den viel beschworenen Brettern, die die Welt bedeuten.