Tatort-Kritik : Darauf einen Schluck Wildererblut!

Klamauk aus Münster: Im Tatort "Fangschuss" (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD) bekommt Thiel Nachwuchs und Boerne fast den Jagdschein. Story: Fehlanzeige. Also alles wie gewohnt!

Oliver Dietrich
Zum Abschuss freigegeben: Boerne im Jagdfieber.
Zum Abschuss freigegeben: Boerne im Jagdfieber.Foto: WDR/Thomas Kost

Halali in Münster: Während Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) seinen Jagdschein machen will, taucht bei Kommissar Thiel (Axel Prahl) eine Leila (Janina Fautz) auf und behauptet, dessen Tochter zu sein. Das allein wäre ja schon Stoff genug, um einen ganzen Tatort zu füllen. Aber das ist eben Münster: Da laufen wieder Hunderte Nebenhandlungen zusammen, bei denen niemand mehr so richtig durchsieht. Aber wie immer: Die Dialoge reißen es auch diesmal wieder heraus. Da müssen eben Thiels ungewollte Vaterschaften und Boernes beginnender Haarausfall für den Klamauk herhalten. 

Worum geht's?

Der IT-Experte Sebastian Sandberg stürzt von seinem Balkon, nachdem sich seine Freundin von ihm getrennt hat - direkt vor sie. Auch wenn alles auf einen klassischen Suizid hindeutet, finden sich in dessen Wohnung Einbruchsspuren. Unterdessen taucht Leila bei Thiel auf und behauptet, seine Tochter zu sein, ein Urlaubsflirt 1994. Der andere Erzeuger scheidet für sie aus, da er sich sterilisieren lassen hat. Der Zuschauer weiß es bereits: Es ist der Journalist Jens Offergeld (Christian Maria Goebel), der einem Lebensmittelskandal auf der Spur ist - und kurz darauf ermordet wird. Während Thiel also die zweite Leiche am Hacken hat, nistet sich dessen potenzielle Tochter bei ihm ein - und beginnt nicht nur herumzuschnüffeln, sondern auch den Mörder Offergelds herauszufordern. Das kann natürlich auf Dauer nicht gut gehen. 

Worum es wirklich geht

Das weiß man ja in den Episoden aus Münster nie so genau, und auch diesmal bleibt es ausgesprochen wirr (Buch: Stefan Cantz und Jan Hinter, Regie: Buddy Giovinazzo). Es geht um Boernes Haarausfall, den ausgerechnet ein streng geheimes Wundermittel aus dem Labor von Dr. Freya Freytag (Jeanette Hain) abhelfen soll - und die ist auch noch die Prüfungsvorsitzende des Jagdvereins, in den Boerne eintreten will. Und sie besitzt auch noch ein Jagdgebiet, auf das er es abgesehen hat: Da muss man eben auch mal eine Nacht auf dem Hochstand verbringen und Wildererblut aus dem Flachmann trinken. Und es geht um den einsamen Wolf Thiel, in dem Vatergefühle keimen. Und irgendwie hat alles auch mit allem zu tun. Aber das ist ja nicht so wichtig, solange die Kalauer sitzen. Und das tun sie. 

Soll man den Tatort gucken?

Gegenfrage: Gibt es jemanden, der den Münster-Tatort nicht guckt? Aber man sollte nichts erwarten, was wahnsinnig neu wäre - bis auf den fehlenden Auftritt von Vaddern. Dafür gibt es wieder die Nikotinsucht von Staatsanwältin Klemm (Mechthild Großmann) sowie die niemals endenden Befindlichkeitsschlachten von Boerne und Alberich respektive Boerne und Thiel. Aber genau deswegen schaut man sich den Tatort ja auch an, oder?  Macht nichts, dass der Inhalt auf der Strecke bleibt.