Tatort-Kritik : Breaking Bad im Altersheim

Im Wiener Tatort "Paradies" (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD) haben die Bewohner eines Altenheims in der Steiermark einiges auf dem Kerbholz. Dennoch kommt der Tatort nur mit Rollator vorwärts.

Oliver Dietrich
Nix wie weg: Ransmayr (Peter Weck) flüchtet aus dem Heim.
Nix wie weg: Ransmayr (Peter Weck) flüchtet aus dem Heim.Foto: ARD Degeto/ORF/Hubert Mican

Je oller, desto doller: Der erste Tatort nach der verlängerten Sommerpause spielt in einem Altersheim in der steiermärkischen Provinz - anscheinend wollten die Tatort-Macher den Zuschauern noch nicht allzu viel Rasanz auf einmal zumuten. Und so gerät der sonst so tiefsinnige Wiener Tatort in seichtes Fahrwasser, das er auch nicht wieder verlässt. Schade, denn eigentlich sind Rentner-Komödien oft eine Garantie für gute Unterhaltung, zumal der in die Jahre gekommene Peter Weck mal wieder auf der Mattscheibe zu sehen ist.

Aber zunächst wird zuverlässig gegrantelt: Gleich am Anfang gibt es reichlich Beef zwischen Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser). Bibi steht mit gepackten Koffern am Flughafen in Graz, während Eisner ihr Zuhälterauto zurück nach Wien fahren soll - wo Bibi ausgerechnet umsteigen muss, um nach Kreta zu gelangen. "Und beiden tut es auch mal gut, wenn wir uns ein paar Tage nicht sehen", fährt sie Eisner über den Mund. Aber so schnell wird es nichts mit dem Urlaub: Ein Anruf bei Bibi trägt die Hiobsbotschaft - ihr Vater liege im Sterben in einem Altersheim, gleich um die Ecke in der steiermärkischen Provinz. Klar, dass Moritz mitkommt: Was sich jedoch als Reise in Bibis Vergangenheit ankündigt, dient nur als Aufhänger, um die beiden Streithähne wieder zuckersüß zu vereinen. In der Not zeigt sich eben die wahre Freundschaft.

Während Eisner in einem Dorfkrug ausharrt, der den Charme eines Altersheims hat, sitzt Bibi in genau so einem Heim am Sterbebett ihres Vaters. Eine Bewohnerin steckt ihr kurz darauf verschwörerisch einen Briefumschlag zu, der einen Schlüssel für ein Bankschließfach enthält. In dem Bankschließfach finden Eisner und Bibi schließlich ein Kinderfoto von Bibi - und 32 400 Euro in bar. Woher hatte der mittellose Rentner denn so viel Geld? Ist da etwas Illegales im Spiel - Drogen sogar?

Was als Spurensuche beginnt, wird jedoch leider immer dröger. Klar, dass die Rentner im Heim alle am liebsten weg wollen, und auch dass sich für ihre Flucht etwas erwirtschaften wollen, ist ein netter Ansatzpunkt. Aber anstatt tiefer in die Geschichte zu gehen, reduziert sie Regisseur Harald Sicheritz auf rühriges Geplänkel der älteren Herrschaften, die seltsamerweise wie die Fliegen wegsterben. Auch wenn Paul Ransmayr (Peter Weck) als zentrale Figur seine Rolle glaubhaft spielt, ist seine Familiengeschichte doch zu plakativ - und am Ende sogar peinlich. Dagegen kommen auch Bibi und Eisner, die sich als trauerndes Ehepaar das Vertrauen zu erschleichen versuchen und dann auf den Undercover-Einsatz eines pensionierten Kollegen setzen, nicht an.

Was vielleicht als Konglomerat der Crystal-Meth-Kultserie "Breaking Bad" und der Drogenoma-Komödie "Paulette" angelegt war, bleibt als laue Komödie mit sichtbaren Altersflecken zurück. Ein bisschen mehr Verve hätte der Geschichte gutgetan (Buch: Ulli Brée), aber nur aus stereotypischen Nebenfiguren und den üblichen Nörgeleien der Hauptfiguren lässt sich letztlich doch keine zündende Komödie stricken. Und als etwas anderes als eine Komödie kann dieser Tatort unmöglich gemeint sein.

Oliver Dietrich ist enttäuscht: Mehr als eine Rentner-Story im Schmalspur-Format schafft der sonst so zuverlässige Wiener Tatort nicht. Aber ein ganzes Altersheim schafft es nicht einmal, seinem liebsten Tatort-Grantler Moritz Eisner die Show zu stehlen.