Netzwelt : Hamburger Kommune

Gruner + Jahr gibt sich eine neue Struktur. Vor allem im Digitalbereich besteht Nachholbedarf

Sonja Álvarez
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Interessengemeinschaft. So könnte man das übersetzen, was Gruner + Jahr künftig „Communities of Interest“ nennt. Gemeint sind die Segmente, in denen Marken wie „Stern“, „Brigitte“ und „Geo“ jeweils gebündelt werden. Auf Englisch soll sich das wohl moderner anhören, doch wie innovativ dieses Konzept tatsächlich ist, wird der Hamburger Verlag mit mehr als nur einem neuen Namen beweisen müssen.

Am Dienstag stellte Julia Jäkel, die vor ziemlich genau einem Jahr in den G+J-Vorstand aufrückte und seit April dessen Vorsitzende ist, die neue Struktur und Strategie des Verlags vor: Die früheren Gruppen „Agenda“ und „Life“ werden aufgelöst, die Marken eben in den sogenannten „Communities“ gebündelt. Der „Stern“ bildet beispielsweise die Interessengemeinschaft „News“ zusammen mit „Neon“, „Nido“, „View“, „Viva“, „Gesund leben“ und „Art“. Die „Geo“ steckt in der „News“-Kommune mit Titeln wie „P.M.“ und „Wunderwelt Wissen“. Die Redaktionen sollen sich durch diese Gemeinschaftsbildung untereinander besser austauschen, die Marken so gestärkt werden. „Radikales Denken in Inhalten“, forderte Jäkel. „Wir müssen davon wegkommen, in Print oder Digital zu denken. Wir agieren plattformneutral“, sagte die Vorstandschefin. Sämtliche Inhalte der Magazine sollen auch in digitaler Form angeboten werden. Ziel ist, G+J von einem „klassischen Zeitschriftenhaus zu einem Inhaltehaus“ zu transformieren.

Ganz logisch ist die schöne neue Gruner-Welt nicht. Warum beispielsweise das Kunstmagazin „Art“ unter „News“ firmiert, ebenso das Elternmagazin „Nido“, das – konsequent in Interessengemeinschaften gedacht – wohl eher in den Bereich „Family“ passt, zusammen mit „Eltern“, ist fraglich.

Mit Wut und Unverständnis reagieren die bisher in München angesiedelten Redaktionen darauf, dass sie aufgrund des Umbaus nach Hamburg umziehen müssen. 120 Mitarbeiter von „Neon“, „Nido“, „Eltern“, „P.M.“ und „Wunderwelt Wissen“ sind betroffen. Wer nicht mitgehen will, wird wohl gehen müssen. Insgesamt wird mit einem Stellenabbau gerechnet. Der Personalstand werde „angepasst“, sagte Jäkel. Aber im Digitalbereich sei dafür ein „signifikanter Aufbau“ geplant. Sonja Álvarez