Netzwelt : Hagen Boßdorf muss vor Gericht Anklage wegen falscher Angaben zu Stasi-Kontakt

Hagen Boßdorf
Hagen Boßdorf

Der ehemalige ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf muss sich wegen seiner Angaben zu seinen Stasi-Kontakten nun doch vor dem Amtsgericht Hamburg verantworten. Das Hamburger Landgericht ließ die Anklage der Staatsanwaltschaft wegen falscher eidesstattlicher Versicherung zu und eröffnete das Hauptverfahren, wie eine Sprecherin am Donnerstag bestätigte. Boßdorf sei nach Aktenlage der in der Anklageschrift genannten Taten „hinreichend verdächtig“, hieß es in einer Mitteilung. Ein Prozesstermin stehe noch nicht fest.

Mit dieser Entscheidung hob die Große Strafkammer 1 des Landgerichts einen Beschluss des Amtsgerichts vom vergangenen Oktober auf. Damals hatten die Richter die Eröffnung des Hauptverfahrens abgelehnt, wogegen die Staatsanwaltschaft Beschwerde einlegte. Nun wird das Verfahren vor einer anderen Abteilung des Amtsgerichts verhandelt, wie es hieß.

Die Staatsanwaltschaft hatte im März 2008 Anklage gegen Boßdorf erhoben. Sie wirft ihm vor, eine falsche eidesstattliche Versicherung über seine Stasi-Verstrickung abgegeben zu haben. Diese hatte Boßdorf im Zusammenhang mit einer einstweiligen Verfügung gegen Hubertus Knabe, Historiker und Leiter der Stasi-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen, abgegeben. Mit der Verfügung wurde Knabe verboten, den Eindruck zu erwecken, der ostdeutsche Journalist habe dem DDR-Ministerium für Staatssicherheit Privatpost übergeben.

Boßdorf soll als Student Ende der 1980er Jahre als inoffizieller Mitarbeiter unter dem Decknamen „IM Florian Werfer“ für die DDR-Staatssicherheit tätig gewesen sein. Wie die entsprechenden Stasi-Unterlagen zu interpretieren sind, ist bis heute umstritten. Bei seiner Ernennung zum ARD-Sportkoordinator 2002 hatte er nach Angaben des Senderverbunds unvollständige Angaben dazu gemacht. Die ARD trennte sich im März 2007 von Boßdorf. jbh/AP

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