Netzwelt : Ende des Schreckens

ARD setzt „Gottschalk Live“ ab. Moderator kam nicht aus dem Quotenkeller

Kurt Sagatz
Auserzählt. Nach nur fünf Monaten ist für „Gottschalk Live“ Schluss.
Auserzählt. Nach nur fünf Monaten ist für „Gottschalk Live“ Schluss.Foto: dapd

Nun haben die ARD-Intendanten schneller als erwartet entschieden: Am Mittwochnachmittag gaben sie bekannt, die Vorabend-Show „Gottschalk Live“ mit Beginn der Sommerpause zu beenden. Als Grund wurde die zu geringe Publikumsresonanz angegeben. Seinen letzten Auftritt als Gastgeber im Humboldt-Carré am Gendarmenmarkt hat Thomas Gottschalk nun am 7. Juni.

Die ARD hatte die Sendung erst Ende Januar ins Programm gehoben, um damit den Vorabend für die Werbekundschaft attraktiver zu gestalten. Viermal wöchentlich sollte die Prominenz des geachteten TV-Moderators die Zuschauer um 19 Uhr 20 ins Erste locken. Die Quote ging jedoch nach einem guten Start – die erste Sendung mit Studiogast Bully Herbig kam auf 4,5 Millionen Zuschauer – schnell in den Sturzflug über. Statt der angepeilten zehn Prozent lag sie zuletzt nur noch bei knapp über einer Million Zuschauern, was einem Marktanteil von 4,5 Prozent entspricht.

Die ARD-Vorsitzende Monika Piel dankte Thomas Gottschalk für seine große Begeisterung, seine Kreativität und seine Risikobereitschaft: „Ich finde es schade, dass ,Gottschalk Live‘ beim Publikum nicht den Zuspruch gefunden hat, den wir diesem Format alle gewünscht haben. Es war ein Experiment, auf das sich Thomas Gottschalk mit seiner ganzen Persönlichkeit eingelassen hat. Er ist mit uns gemeinsam das Wagnis für ein neues Sendekonzept für den Vorabend eingegangen. Wir werden nun in aller Ruhe gemeinsam über eine Zusammenarbeit in anderer Form nachdenken.“

Die Auflösung des auf drei Jahre geschlossenen Vertrages bereitete dem Senderverbund keine Schwierigkeiten. In der Übereinkunft war verankert worden, dass die ARD die Show beenden kann, wenn sie die Quotenvorgabe nicht erreicht. Im langfristigen Schnitt hätte „Gottschalk Live“ bis zum 20. April zehn Prozent Marktanteil erreichen müssen.

Die Sendung wurde von Anfang an von Kritik begleitet. Die mehrfachen Unterbrechungen von „Gottschalk Live“ für Werbung und Wetter ließen sich zu häufig nicht mit den Gesprächen mit Gottschalks Gästen synchronisieren. An prominenten Gästen hat es indes nicht gemangelt. Gottschalk hatte Sportlegenden wie Franz Beckenbauer und Katarina Witt, den Modeschöpfer Karl Lagerfeld, Schauspieler wie Harald Krassnitzer und Uwe Ochsenknecht oder bekannte Musiker wie Sebastian Krumbiegel und Peter Maffay zu Gast. Auch die Unterstützung von TV-Kollegen wie Günther Jauch, Anke Engelke und Tom Buhrow war ihm sicher.

Thomas Gottschalk zeigte Verständnis für den Beschluss der ARD: „Ich nehme diese Entscheidung der Intendanten mit Bedauern zur Kenntnis, habe aber volles Verständnis dafür. Es war uns von Anfang an klar, dass wir mit diesem Format ein Experiment gewagt haben und ich war mir des Risikos zu jeder Zeit bewusst“, sagte der 61-Jährige, der im vergangenen Jahr die Moderation der ZDF-Samstagabendshow „Wetten, dass..?“ abgegeben hatte. „Über das Schicksal eines Fernsehmoderators entscheidet das Publikum, und ich muss zur Kenntnis nehmen, dass es mir nicht gelungen ist, an diesem Programmplatz genügend Zuschauer zu begeistern. Trotzdem hat mir diese Erfahrung großen Spaß gemacht, und ich danke der ARD, dass sie mir die Chance dazu gegeben hat“, sagte Gottschalk weiter.

Die ARD zieht damit einen Schlussstrich unter mehrere Versuche, „Gottschalk Live“ aus dem Quotenkeller zu holen. Zuerst sollte Markus Peichl als Redaktionsleiter der Sendung neue Impulse geben. Im nächsten Schritt wurde das Studio umgebaut. Wo anfangs die Redaktion residierte, konnte nun das Studio-Publikum Platz nehmen. Der letzte Versuch bestand darin, die Sendung bereits am Nachmittag aufzuzeichnen, um für Gottschalk eine „entspanntere Situation“ zu schaffen. Der Moderator sollte nicht mehr unter dem Druck stehen, die Unterbrechungen für die Werbung und das Wetter punktgenau anzumoderieren.

Am Ende haben sich die Intendanten der Einsicht gebeugt, dass Thomas Gottschalk der falsche Moderator auf dem falschen Sendeplatz mit dem falschen Sendekonzept war. Nun muss nach neuen Konzepten für die „Todeszone“ des ARD-Vorabends gesucht werden. Die Vertretung für die Sommerpause stand indes schon zuvor fest. Im Wechsel mit der Fußball-EM und den Olympischen Spielen lädt Kabarettist Dieter Nuhr zu einer Spielshow. Ihr Titel: „Null gewinnt“.