Netzwelt : Die SPD kommt durch die Hintertür

Die „FAZ“ verkauft ihre Potsdamer-Tochter „MAZ“ – an die Madsack-Gruppe

Verkauft. Früher gehörte die „MAZ“, die in der Potsdamer Friedrich-Engels-Straße sitzt, der SED. Dann wurde sie von der „FAZ“ gekauft. Diese reicht sie nun an die Madsack-Gruppe weiter. Bei der hat die SPD über ihre Medientochter DDVG ein gehöriges Wort mitzureden.
Verkauft. Früher gehörte die „MAZ“, die in der Potsdamer Friedrich-Engels-Straße sitzt, der SED. Dann wurde sie von der „FAZ“...Foto: dapd

Potsdam - Zum Jahreswechsel wird in der Potsdamer Friedrich-Engels-Straße 24 der Hausherr wechseln: Die dort ansässige „Märkische Allgemeine Zeitung“ (MAZ), Mitbewerber der PNN auf dem Potsdamer Zeitungsmarkt und auflagenstärkste Regionalzeitung in Brandenburg, ist von der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ („FAZ“) nach langer Käufersuche verkauft worden: an die Madsack-Mediengruppe aus Hannover. Damit zieht in der Friedrich-Engels-Straße – wenn auch über die Hintertür – nach der SED, deren Bezirkszeitung die „MAZ“ einst war, wieder eine Partei als Miteigentümer mit ein – diesmal die SPD. Denn die ist über ihr Medienimperium, das im Wesentlichen über die Deutsche Druck und Verlagsgesellschaft (DDVG) gesteuert wird, größter Anteilseigner bei Madsack (siehe Kasten).

Seit Jahren gab es in der Branche Gerüchte, die „FAZ“ würde sich von der „MAZ“ trennen, wenn der Preis stimme. Doch nun bot die „FAZ“ die „MAZ“, die sie 1991 von der Treuhandanstalt übernommen hatte, aktiv auf dem Markt an. Man wolle sich in Frankfurt auf das Kerngeschäft – die „FAZ“, die „Frankfurter Allgemine Sonntagszeitung“ und die Digitalangebote – konzentrieren, hieß es.

Dass Madsack zum Zuge kam, galt als Überraschung. Denn zunächst hatte die „FAZ“ nach Angaben aus dem Verhandlungsumfeld mit dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (SHZ) aus Flensburg verhandelt. Die Flensburger Kaufleute, die als eher konservativ gelten, waren sich ihrer Sache schon sicher. Madsack habe sich erst spät für die „MAZ“ interessiert, hieß es aus Branchenkreisen, habe aber überraschend viel geboten. Wieviel blieb unbekannt. Schätzungen gehen von etwa 70 Millionen Euro Kaufpreis aus.

Die „MAZ“, die ihre Mantelredaktion, zwei Lokalredaktionen und die Druckerei in Potsdam hat, kam mit ihren 15 Lokalausgaben im dritten Quartal auf eine verkaufte Auflage von etwa 136 000 Exemplaren – Tendenz sinkend – und beschäftigt etwa 600 Mitarbeiter – davon 130 Redakteure. Die Umsatzrendite lag unter 1,5 Prozent. Madsack hatte bereits 2005 diverse Regionalzeitungsbeteiligungen vom Axel-Springer-Verlag übernommen, wurde so Alleineigentümer der „Leipziger Volkszeitung“ und ist zudem an der „Ostsee-Zeitung“, den „Lübecker Nachrichten“ sowie den „Kieler Nachrichten“ beteiligt. Insgesamt gibt die Gruppe 17 Tageszeitungen heraus und verfügt über Radio- und Fernsehbeteiligungen.

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) erwartet vom neuen Eigentümer keine Stellenstreichungen, sagte Verbandssprecher Hendrik Zörner. Die Situation der ostdeutschen Zeitungen unterscheidet sich vom Westen der Republik besonders dadurch, dass es östlich der Elbe durch die früheren SED-Zeitungen keine eigenständige mittelständische Verlagswirtschaft gibt. Würden Zeitungen verkauft, finde ein Wechsel zwischen Konzernen statt, der im Zweifel zu einer höheren Konzentration führe. Für den Leipziger Zeitungsforscher Michael Haller ist die Madsack-Strategie folgerichtig und klug. Auch Haller weist allerdings darauf hin, dass der Kauf unter dem Vorbehalt des Kartellrechts steht und sich Madsack Richtung Marktanteilsgrenzen bewegt. PNN