Netzwelt : Der Zuschauer als Aktionär WDR-Intendant Buhrow

rechtfertigt Gebühren

Sonja Álvarez dpa
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Gut 100 Tage ist Tom Buhrow jetzt als Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR) im Amt und einem seiner Ziele nun ein Stück näher: mehr Kontakt mit den Zuschauern. Am Mittwochabend stand er ihnen Rede und Antwort in der Sendung „WDR-Check“. Der Name erinnert an die „Markenchecks“ im Ersten, allerdings ging es dieses Mal weniger kritisch zu, sondern eher um PR in eigener Sache .

„Wir gehören Ihnen. Sie sind unsere Aktionäre“, sagte Tom Buhrow dem Publikum. Der Vergleich hinkte allerdings, da sich am Ende die Bildschirme der Zuschauer, dafür aber die Kassen der Sender füllen. Die Zuschauer hakten nach. Ob man zu einem Ereignis drei Redakteure schicken müsse oder wozu eine Doppelmoderation im Fernsehen gut sei, wollten sie wissen. Buhrow betonte, dass der Sender Inhalte etwa in Kultur, Unterhaltung oder für Kinder liefere, die sonst kein anderer Sender abdecken würde. Der WDR sei das einzige Medium, das wirklich ganz Nordrhein-Westfalen mit seiner Berichterstattung abdecke.

Kritik gab es auch aus den eigenen Reihen. Klaus J. Behrendt alias „Tatort“-Kommissar Max Ballauf monierte die Entscheidung, den Kölner „Tatort: Franziska“, am 15. Dezember erst um 22 Uhr zu zeigen: „Ich finde das eine Fehlentscheidung vom Jugendschutz.“ Man sollte den Zuschauern nicht die Verantwortung absprechen, die Kinder ins Bett zu schicken. Das „Gesamtbedrohungspotenzial“ in der Folge, in der die Assistentin der Kölner Kommissare Ballauf und Schenk als Geisel genommen wird, könnten unter Zwölfjährige nicht verarbeiten, lautete die Begründung für die Verschiebung – sie soll eine Ausnahme bleiben, versicherte Buhrow und rief die Regisseure und Schauspieler auf, jetzt aber nicht ängstlich zu werden, sondern „weiter an ihre Grenzen zu gehen“.

Man müsse Neues ausprobieren, forderte Buhrow. Ihm selbst ist das mit dem „WDR-Check“ am Mittwochabend gelungen. Sonja Álvarez/dpa