Überregionales : Naher Osten in Aufruhr

Mindestens zwei Tote und mehr als 200 Verletzte nach Protesten gegen Trumps Pläne für Jerusalem

Lissy Kaufmann

Bei Zusammenstößen zwischen palästinensischen Demonstranten und israelischen Sicherheitskräften sind am Freitag im Gazastreifen mindestens zwei Menschen getötet worden, mehr als 200 Menschen wurden bei den Unruhen im Westjordanland und Jerusalem verletzt, rund 40 davon erlitten Schusswunden, wie das palästinensische Gesundheitsministerium in Gaza und der palästinensische Rettungsdienst Roter Halbmond am Freitag mitteilten. Bei den Todesopfern handelt es sich um Palästinenser. Auch in anderen muslimischen Ländern hatte es am Freitag Proteste gegeben.

Tausende wütende Palästinenser waren nach den Freitagsgebeten auf die Straßen gegangen, um gegen die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch US-Präsident Donald Trump zu protestieren. „Vom Jordanfluss bis zum Mittelmeer wird Palästina frei sein“ und „Al Quds ist arabisch“, brüllten Demonstranten am Damaskustor in Jerusalem. Die Palästinenser wollen Jerusalem – auf Arabisch Al Quds – als Hauptstadt ihres zukünftigen Staates.

In den größeren Städten des Westjordanlandes – Ramallah, Bethlehem und Hebron – zündeten junge Männer Reifen an, schleuderten Steine auf israelische Soldaten und warfen Molotowcocktails. Die israelischen Einsatzkräfte antworteten mit Tränengas und Gummigeschossen, Medien berichten, dass auch scharf geschossen wurde.

In Jerusalem teilte die Polizei am Freitag mit, dass mehrere Demonstranten verhaftet worden seien. Hunderte hatten sich nach dem Gebet auf dem Tempelberg in der Altstadt vor dem Damaskustor versammelt.

Entgegen allen Warnungen, auch auf internationaler Ebene, hatte Präsident Trump am Mittwoch in einer Rede Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt und angekündigt, die US-Botschaft nach Jerusalem verlegen zu wollen. Einen genauen Zeitpunkt nannte er nicht. Nach Angaben von US-Außenminister Rex Tillerson werde das „wahrscheinlich“ nicht vor 2019 stattfinden. „Das ist nichts, was dieses Jahr geschieht, und wahrscheinlich auch nicht nächstes Jahr“, sagte der Außenminister am Freitag nach einem Treffen mit seinem französischen Kollegen Jean-Yves Le Drian in Paris.

Der Anführer der Hamas im Gazastreifen, Ismail Hanija, hatte zuvor zu einer neuen Intifada aufgerufen. Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat kündigte das Ende einer Zwei-Staaten-Lösung an. Laut israelischen Medien teilte ein Mitarbeiter der Fatah-Partei im Westjordanland mit, dass der US-Vizepräsident Mike Pence in „Palästina nicht willkommen“ sei. Pence soll noch in diesem Jahr Ägypten, Israel und das Westjordanland besuchen.

Auf israelischer Seite hatte die Rede Trumps große Freude ausgelöst – ungeachtet aller Sicherheitsrisiken. Selbst der Anführer der Arbeiterpartei sagte, ein vereintes Jerusalem sei wichtiger als Frieden. Netanjahu gab sich hoffnungsvoll, dass auch andere Länder dem Beispiel der USA folgen würden.

Israel kündigte an, 14 000 neue Wohneinheiten bauen zu wollen, 6000 davon in Ostjerusalem. (mit dpa/AFP)

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