Überregionales : Münster: Kein Hinweis auf politisches Motiv

Seehofer und Laschet sprechen Opfern Mitgefühl aus

Frank Jansen mit dpa

Berlin - Der Amokfahrer von Münster war offenbar ein beruflich gescheiterter, gewalttätiger Einzelgänger. Jens R. habe in einem Abschiedsbrief „persönlichen Frust“ geäußert, hieß es am Sonntag in Sicherheitskreisen. Er hatte bereits einen Suizidversuch hinter sich. Motive und Ursachen der Tat lägen wohl in der Person des Täters selbst, sagte auch die Leitende Oberstaatsanwältin in Münster, Elke Adomeit, am Sonntag.

Am Sonnabend hatten Sicherheitsexperten angedeutet, der Täter könnte Kontakte zu Rechtsextremisten unterhalten haben. Am Sonntag dann war zu erfahren, Jens R. habe eine Zeitlang in Pirna (Sachsen) in einem Mietshaus gelebt, in dem mutmaßliche Mitglieder einer „Kameradschaft“ wohnen. Das sächsische Landeskriminalamt untersuche, ob der Amokfahrer in Verbindung zu diesen Leuten stand. Er soll sich zudem in Heidenau bei Dresden aufgehalten haben. Geprüft werde auch, ob Jens R. Kontakte zur rechten Szene in Münster hatte.

Jens R. soll mit Körperverletzungsdelikten aufgefallen sein und seinen Vater bedroht haben. In seiner Wohnung in Münster fand die Polizei Polenböller und ein nicht schussfähiges Schnellfeuergewehr des Typs AK 47, bekannt als „Kalaschnikow“. Es handele sich um eine „Dekowaffe“, sagten Sicherheitskreise. Dekowaffen sind täuschend echt aussehende Repliken echter Schussgeräte. Auch solche Attrappen gelten als potenziell gefährlich, da sie von begabten Bastlern zu scharfen Waffen umgebaut werden können. Die Ermittler gehen auch dem Verdacht nach, ob der 48-Jährige bei seinem Suizid die Anschläge islamistischer Terroristen nachahmen wollte. Jens R. war ähnlich wie Anis Amri im Dezember 2016 in Berlin mit seinem Fahrzeug in eine Menge völlig ahnungsloser Menschen gerast. Der Münsteraner hatte sich dann in seinem Fahrzeug, einem Campingbus der Marke VW California, mit einer Pistole erschossen. Das Fahrzeug werde in einer Werkstatt der Polizei untersucht, sagten Sicherheitskreise. Gefunden wurden zunächst auch hier Polenböller und zusätzlich zur scharfen Pistole eine Schreckschusswaffe.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) traten am Sonntag gemeinsam vor die Presse und sprachen Opfern und Angehörigen der zwei Getöteten und mehr als 20 Verletzten ihr Mitgefühl aus. „Wir hoffen inständig und beten dafür, dass die Verletzten wieder gesund werden“, so Seehofer. Er und NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) dankten Polizei und Sicherheitskräften. Reul bekräftigte die bisherigen Erkenntnisse: Mit hoher Wahrscheinlichkeit habe ein Einzelner gehandelt, er sei Deutscher, es gebe keinen islamistischen Hintergrund. Laschet lobte die Besonnenheit und Solidarität der Münsteraner nach der Tat. Er würde sich wünschen, dass „diese besondere Münsteraner Erfahrung einer Friedensstadt“ auch diejenigen erreicht hätte, die „ganz schnell bei Twitter und anderswo wieder das Hetzen begonnen haben.“ Frank Jansen mit dpa

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