Überregionales : Müller will Tegel schließen

Berlins Regierender trotzt dem Volksentscheid

Berlin - Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) will nach dem erfolgreichen Volksentscheid für den Weiterbetrieb des Flughafens Tegel „sehr schnell“ auf die Mitgesellschafter Bund und Brandenburg zugehen, um deren Position angesichts des Wählervotums zu ergründen. Seine Haltung bleibe aber „glasklar“ für die Schließung des Flughafens, sagte Müller am Montag nach einer Sitzung des Koalitionsausschusses der rot-rot-grünen Regierung. „Die finanziellen und juristischen Risiken sind nicht wegbeschlossen worden am Sonntag“, sagte er mit Blick auf den vor allem von der FDP forcierten Volksentscheid, bei dem sich 56 Prozent der Teilnehmenden für den unbefristeten Weiterbetrieb von Tegel ausgesprochen hatten.

Bisher hatten sowohl Kanzlerin Angela Merkel (CDU) als auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sich zur Schließung Tegels bekannt, sobald der BER eröffnet ist. Die Berliner FDP sprach von einem klaren Auftrag an Müller, das Votum umzusetzen. Die irische Billig-Fluglinie Ryanair, die die Kampagne Pro Tegel unterstützte, zeigte sich erfreut über den Volksentscheid.

Bei Air Berlin, der bisher aktivsten Fluggesellschaft in Tegel, wurden derweil am Montag erste Langstreckenflugzeuge vom Typ Airbus A330 abgezogen. Sie gehen zurück zum Unternehmen AerCap, von dem Air Berlin die Flieger geleast hatte. Die Langstreckenverbindungen ab Berlin seien zum Wochenende eingestellt worden, sagte Unternehmenschef Thomas Winkelmann am Montag in Berlin. Zum 15. Oktober würden auch die letzten Langstreckenflüge ab Düsseldorf eingestellt. Man fliege aber in Europa weiter. Zugleich gab er die Einschätzung ab, dass etwa vier von fünf der insgesamt rund 8000 Mitarbeiter von Air Berlin Jobs übernommen würden. kph/obs

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