Überregionales : Müller stößt auf Unverständnis Rotes Rathaus löst BER-Stab auf

Berlin - Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) gerät wegen seines Umgangs mit dem Hauptstadtflughafen BER in die Kritik. Sowohl die Opposition im Abgeordnetenhaus als auch der Flughafen-Miteigner Brandenburg reagierten mit Unverständnis auf die Entscheidung Müllers, die „Flughafenkoordination“ im Roten Rathaus aufzulösen und Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) zu unterstellen. „Selbst wenn Müller nicht mehr Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft ist, muss er den BER als noch amtierender Regierungschef als Chefangelegenheit behandeln“, sagte FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja. In der vergangenen Woche hatte sich Müller aus dem Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) zurückgezogen, als der Berliner Flughafenkoordinator Engelbert Lütke Daldrup zum neuen BER-Chef bestellt worden war.

Am heutigen Freitag kommt der Aufsichtsrat erneut zusammen. Zum Nachfolger Michael Müllers als Aufsichtsratschef soll der Brandenburger Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider gewählt werden. Die Vereinigung der Aufsichtsräte Deutschlands(VARD) kritisierte am Donnerstag, dass sich mit dieser Personalie die Dominanz der Politik bei dem Milliardenprojekt verfestige. Die Eröffnung des BER, an dem seit 2006 gebaut wird, ist seit dem Jahr 2011 fünf Mal verschoben worden. Aktuell ist einem von den PNN publik gemachten Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger zufolge eine Eröffnung vor 2019 nur möglich, wenn erstmals seit 2015 Gegen- und Beschleunigungsmaßnahmen auf der Baustelle greifen. Wie kritisch es um die Baustelle steht, war den Verantwortlichen seit dem 26. September 2016 bekannt, als ein erstes Berger-Gutachten für die FBB die Chancen für einen Start 2017 bei zehn Prozent sah. Trotzdem hatte Müller, damals Aufsichtsratschef, bis Januar 2017 dieses Ziel propagiert. Thorsten Metzner