Überregionales : Mobbing macht Sorge

Jeder sechste Schüler betroffen Studie: 73 Prozent sind mit Leben aber zufrieden

Berlin / Potsdam - Jeder sechste Schüler in Deutschland fühlt sich mehrfach im Monat gemobbt. Das ist das Ergebnis einer Sonderauswertung der Pisa-Studie von 2015, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. „Mobbing ist kein Randphänomen“, sagte Andreas Schleicher, OECD-Bildungsdirektor und Koordinator der internationalen Pisa-Studie. Dies gelte insbesondere, wenn man neben physischem auch verbales Mobbing einbeziehe. So berichten sieben Prozent der Befragten, Mitschüler würden regelmäßig bösartige Gerüchte über sie verbreiten. Schläge erleiden zwei Prozent der Schüler. Nimmt man alle Mobbingformen zusammen, liegt der Anteil der betroffenen deutschen Schüler bei 16 Prozent und im OECD-Schnitt bei 19 Prozent der Befragten. Lehrkräfte müssten das Thema ernst nehmen, forderte Schleicher.

„Wer sich nicht selbst aus dem Kreislauf befreien kann, sollte unbedingt den Mut aufbringen, Eltern und Vertrauenslehrkräfte einzuschalten“, empfahl Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Dies passiert offenbar aber nur sehr selten: In diesem Schuljahr wurden in Berlin erst 58 Mobbingfälle gemeldet, obwohl den OECD-Zahlen zufolge rund 10 000 Berliner davon betroffen sein müssten.

Die Sonderauswertung der Pisa-Studie befasste sich mit zahlreichen Aspekten zum Wohlbefinden von Schülern. An Pisa 2015 nahmen weltweit eine halbe Million 15-Jährige teil, aus Deutschland waren es 10 500 Neuntklässler.

Trotz der Befunde zum Mobbing sind Jugendliche demnach in Deutschland mit ihrem Leben größtenteils zufrieden. Das sagen 73 Prozent (OECD-Staaten: 71 Prozent). Spitzenreiter sind die Niederlande mit einem Zufriedenheitswert von mehr als 80 Prozent. Die Niederlande sowie Finnland und die Schweiz – wo Schüler sowohl in den bei Pisa abgefragten Wissensbereichen stark abschnitten als auch mit ihrem Leben sehr zufrieden sind – zeigten, dass „Leistung und Wohlbefinden zusammenpassen“, sagte Schleicher. In Deutschland sind laut Pisa Interesse und Hilfestellung von Eltern für den Unterricht ihrer Kinder sehr ausgeprägt. „Teenager, die sich als Teil einer Schulgemeinschaft fühlen und gute Beziehungen mit ihren Eltern und Lehrern pflegen, werden mit größerer Wahrscheinlichkeit bessere schulische Leistungen erbringen und insgesamt glücklicher sein“, so die OECD. Deutsche Schüler haben weniger Furcht vor Hausaufgaben oder Tests als im OECD-Durchschnitt. Jeder fünfte der Befragten (22 Prozent) reagiert sehr nervös auf solchen Schulstress (OECD: 37 Prozent). 42 Prozent haben Angst bei der Vorbereitung von Prüfungen (OECD: 55 Prozent). Die Hauptergebnisse von Pisa wurden im vergangenen Dezember veröffentlicht. tiw/sve/dpa

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