Überregionales : Merkel und Schulz rufen zur Wahl auf

Aktuelle Umfragen sagen beiden Volksparteien Verluste voraus

Antje Sirleschtov

Berlin - Kurz vor der Bundestagswahl an diesem Sonntag haben die Spitzenpolitiker der beiden Volksparteien die Deutschen zur Teilnahme an der Wahl aufgerufen. „Gehen Sie wählen“, sagte die CDU-Vorsitzende und Kanzlerin Angela Merkel am Donnerstag in einem ARD-Interview und ergänzte mit Blick auf die rechtspopulistische AfD: „Wählen Sie die Parteien, die sich unserem Grundgesetz zu 100 Prozent verpflichtet fühlen.“

Auch Merkels Herausforderer und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz mahnte: „Leute, geht wählen!“ Bei einer Wahlveranstaltung in Nordrhein-Westfalen mahnte Schulz, je höher die Wahlbeteiligung ausfalle, desto geringer seien die Chancen für die extremen Rechten. Aller Voraussicht nach wird die AfD erstmals in den Bundestag einziehen.

Nach aktuellen Wahlprognosen könnte die Partei sogar zur drittstärksten Kraft im Parlament und – bei einer Fortsetzung der großen Koalition – sogar zur Oppositionsführerin werden. In diesem Fall hätte die AfD nicht nur das Recht, in Aussprachen als Erste auf die Regierung zu antworten, sondern auch, den wichtigen Haushaltsausschuss zu führen.

Aktuelle Erhebungen des Instituts Insa für das Magazin „Focus“ lassen indes erwarten, dass die Volksparteien SPD und CDU/CSU bei der Bundestagswahl deutlich abrutschen. Für die CDU/CSU wurde in der am Donnerstag veröffentlichten Prognose ein Ergebnis zwischen 33 und 36 Prozent vorhergesagt (2013: 41,5 Prozent), für die SPD zwischen 19 und 22 Prozent (25,7). Insa nennt keine exakten Prozentwerte, sondern jeweils eine Spanne von drei Prozentpunkten.

Für die AfD wird diese Spanne mit elf bis 14 Prozent angegeben, für die Linkspartei werden neun bis zwölf Prozent (8,6) vorhergesagt, ebenso für die FDP, die 2013 aus dem Bundestag geflogen war und nun wieder vor ihrem Einzug steht. Für die Grünen rechnet Insa mit einem Wert zwischen sechs und neun Prozent (8,4). In die Prognose flossen laut „Focus“ neben Umfrageergebnissen auch Auswertungen sozialer Medien sowie Expertenmeinungen ein.

Mit zahlreichen Veranstaltungen in ganz Deutschland beenden die Parteien an diesem Freitag und Samstag den Wahlkampf. SPD-Chef Schulz wird am Freitagabend in Berlin und am Samstag in Aachen noch einmal um die Stimmen der Wähler werben, Kanzlerin Merkel tritt gemeinsam mit CSU-Chef Horst Seehofer in München auf.

Für diese Zeitung hat das Internet-Umfrageinstitut Civey kurz vor der Wahl nach der Änderung der Parteienpräferenz der Wähler gefragt. Aufgesplittet nach Wahlabsichten ergibt sich ein deutlicher Hinweis auf die AfD als Partei, die Stimmen Unzufriedener für sich gewinnen kann. 29,4 Prozent derjenigen, die am Sonntag AfD wählen wollen, bejahen die Frage nach dem Nachwahl-Frust mit „Auf jeden Fall“, bei allen anderen Parteien lagen die Werte deutlich niedriger.Antje Sirleschtov

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