Überregionales : Mehr Barrierefreiheit im Tourismus

Potsdam - Brandenburg soll für behinderte und ältere Menschen ohne störende Hindernisse touristisch erlebbar werden. Dafür sollen zum Beispiel Kopfsteinpflaster verschwinden und Hotelbäder für Rollstuhlfahrer ohne Komplikationen nutzbar werden. Über Wege dahin diskutierten am Dienstag in Potsdam Betroffene auf einer Branchenkonferenz mit Touristikern, Politikern, Architekten und Verkehrsverbänden. „Barrierefreiheit soll keinen Nischencharakter an wenigen Orten haben“, erklärte Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke).

Es gehe darum, das ganze Land touristisch ohne störende Hindernisse zu gestalten, sagte Dieter Hütte, Chef der TMB Tourismus-Marketing Brandenburg. Hierbei seien die Touristiker auf die Erfahrungen der Betroffenen angewiesen, hieß es. „Das ist ein sehr guter Ansatz“, erklärte der ehemalige Weltklasse-Turner Ronny Ziesmer. Der 32-Jährige ist nach einem Sportunfall vor acht Jahren querschnittsgelähmt und sitzt seitdem im Rollstuhl. „Mit den Betroffenen ins Gespräch kommen, ist immer besser als stur nur nach DIN-Normen zu bauen“, setzte Ziesmer hinterher. Dafür wolle sich der 32-Jährige in Zukunft als TMB-Botschafter einsetzen. In Brandenburg gebe es schon gute Beispiele. Im Spreewald könnten Rollifahrer sogar aufs Wasser und mit Kähnen die Kanäle erkunden, sagte Ziesmer.

Die Mark sei bereits auf einem guten Weg und nehme schon jetzt eine Vorreiterrolle ein, bestätigte auch Claudia Gille vom Deutschen Tourismusverband. Zwei von acht deutschen Referenzregionen für Urlaub im Rollstuhl oder Leute mit einem anderen Handicap befinden sich hier. Das Ruppiner Seenland und die Lausitz würden einen vorzüglichen Ruf genießen.

Landesweit gebe es bereits 1000 entsprechende Freizeit- und Tourismusangebote, hieß es. Barrierefreiheit sei nicht nur etwas für behinderte Menschen. Auch Ältere und Familien mit unter Fünfjährigen Kindern würden von einer touristischen Welt ohne Hindernisse profitieren, so Christoffers. Allein in Brandenburg leben 335 000 Menschen mit Behinderungen. Dazu kommen 400 000 über 70-Jährige und rund 97 000 Kinder unter fünf Jahren. „Diese Klientel ist ein Wirtschaftsfaktor“, so der Minister. dpa