Matthies meint : Nullen, die die Welt bedeuten

Der Computer hat das Leben einfacher gemacht, aber auch gefährlicher. Alles, wirklich alles, lässt sich leicht von zu Hause erledigen – aber wie leicht scheitern wir dabei! Nur ein Mausrutscher, und schon steht der größte Schwachsinn im Internet, Beatrix von Storch kann davon ein Lied singen.

Am schlimmsten ist es aber beim Geld: Ziffern, Ziffern, Ziffern. Eine anständige IBAN hat 22 davon, die sich kein Mensch merken kann, erst recht nicht, wenn er sie von irgendeiner Rechnung ablesen und übertragen muss. Dann noch Summe und Betreff eingeben, es ist ein täglich wiederkehrendes Wunder, dass die Mehrzahl der Überweisungen in richtiger Höhe den richtigen Empfänger erreicht.

Allerdings ist es ja auch so, dass jeder zu krasse Vertipper Gegenreaktionen erzeugt. „Diese Überweisung ist durch den aktuellen Kontostand nicht gedeckt“, heißt es dann spitz, und bei nächster Gelegenheit würgt der Geldautomat zur Strafe die Karte runter.

Dies war jetzt aber nur der etwas ratlose Vorspann zu einer Meldung vom Freitag: Die Deutsche Bank, die bekanntlich sowieso ein bisserl durch den Wind ist, hat vor Ostern, wie es heißt, versehentlich 28 000 000 000 Euro auf ein Konto bei der Börse überwiesen. 28 Milliarden, das sind etwa vier Milliarden mehr als der Wert des ganzen Unternehmens, man muss dafür eine Menge Nullen eintippen. Falls das Absicht war, könnte die Botschaft an den Empfänger lauten: Hier hast du den ganzen Laden, mach damit, was du willst.

So war es aber nicht. Nach einer Viertelstunde gab es Alarm, dann wussten beide Seiten zumindest, was passiert war. Aber wie geht sowas? Als einfache Bankkunden stellen wir uns vor, dass alle Überweisungen ab Multimillionenhöhe von zwei Vorstandsmitgliedern mit getrennten Codes bestätigt werden müssen. Dann geht ein weiterer Vorstand in Begleitung bewaffneter Bodyguards zum Notar, der im abhörsicheren Raum die Verträge prüft und alles absegnet, und bei der geringsten Unstimmigkeit knallen, nööp, nööp, die schweren Gitter runter. Ganz zu schweigen davon, dass das System bei 28 Milliarden von allein sagt: Habt ihr sie noch alle?

Nein? War nicht so? Dann hat diese Bank ein krass fettes Computer-Problem, schlimmer als gedacht. Ich für meinen Teil biete mich als Testpartner an und verspreche, jede irrige Überweisung brav zurückzuerstatten. Abzüglich fünf Prozent Finderlohn, versteht sich.

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