Matthies meint : Kleiner Leitfaden fürs taktische Tanken

Dies ist die hohe Zeit der Automobilclubs. Ihre Mitglieder haben die Koffer gepackt, wollen ins Sauerland und an die Costa Brava, der Hamster ist bei der Oma, der Autoschlüssel steckt – aber zwei, drei Fragen sind noch unbeantwortet: Wo sollen wir tanken? Wann? Und wie viel? Da ist es doch schön, dass die Clubs immer etwas zu sagen haben. Nämlich: Zu Ferienbeginn wird der Sprit teurer. Das Gegenmittel, so rät beispielsweise der Auto-Club Europa: taktisch tanken.

Taktisch tanken beispielsweise alle Autofahrer, die den Tank im Frühjahr billig auffüllen und dann den Wagen bis zum Sommerurlaub stehen lassen. Taktisch verhalten sich auch jene, die das Auto mit leer gefahrenem Tank wegschmeißen und dann nur noch Fahrradurlaub in Brandenburg machen.

Diese Gegenmaßnahmen wirken ganz marktwirtschaftlich: In beiden Fällen leuchtet in den Geldsammelzentralen der Spritkonzerne eine Warnlampe auf. Achtung, sagt der Preiscontroller dann, der Meier in Borsigwalde hat schon zwei Wochen keinen Tropfen Performance Superfetz Diesel mehr getankt, da müssen wir wohl mal zwei Cent runter, dann flutscht das Zeug wieder. Ein Knopfdruck: zwei Cent runter.

Benzinpreiskenner wissen zum Beispiel: Benzin wird am Freitag teurer, wenn die Kinder mit dem Zeugnis zum vor der Schule stehenden Wohnmobil eilen, wo Vati schon die Kupplung schleifen lässt. Gut also, wenn er schon am Mittwoch vollgetankt und die Konzerne übertölpelt hat. Dann ist da noch das Geheimwissen der Freaks. Sie wissen: Benzin ist anderswo billiger, am billigsten in den USA und bei den Partisanen in Usbekistan. Pro Tankfüllung lassen sich so leicht 25 Euro sparen, mit Kanistern noch mehr, allerdings ist der Transport des Wagens zu den betreffenden Zapfsäulen umständlich, zumal, wenn die eigentliche Urlaubsreise nach Bayrischzell oder St. Peter-Ording führt. Doch beim taktischen Tanken kommt es ja nicht nur aufs Sparen an, sondern darauf, es denen da oben mal so richtig zu zeigen.

Wer es sich allerdings leisten kann, der sollte solidarisch tanken im verarmten Deutschland. Voll rein, bis es oben rausläuft, dann immer im Kreis rum, nachtanken, weiter, immer weiter, bis die Ferien zu Ende sind. Das bringt dem Staat Mineralölsteuer, Ökosteuer, Mehrwertsteuer, das füllt die Kassen, bis am Ende sogar das Wahlprogramm der Linkspartei finanzierbar ist. Auch das ist taktisches Tanken. Nur darf der Automobilclub nichts davon erfahren.