Matthies meint : Der 6. Mai – und wie er die Welt verbessert

Die Welttage können wir uns nicht aussuchen. Sie kommen und gehen, manche sind sogar sehr wichtig wie der soeben stark beachtete Tag der Pressefreiheit – nur wird man wohl sagen müssen, dass sie wenig ändern, wie sich schon dran zeigt, dass Deniz Yücel immer noch im türkischen Knast sitzt. Und auch sonst hat kein Diktator erkennen lassen, dass er unter dem Druck des Datums etwas weniger auf seinen Journalisten herumzutrampeln gedenkt.

Es ist also vermutlich aussichtsreicher, die Themen etwas weniger gewichtig auszuwählen, damit am Ende des Tages ein Erfolg steht. Am heutigen Sonnabend zum Beispiel ist der Welttag der geistlichen Berufe, aber auch der, nun ja: Er lenkt das Augenmerk sowohl auf den deutschen Pfarrer, der allemal eine Zierde seines Sprengels darstellt, wie auch auf den fanatischen Imam, der zur Vernichtung Ungläubiger aufhetzt, wobei nicht ausgemacht ist, wer am Ende obsiegt.

Haben wir denn nicht irgendwas Unproblematisches im Welttagekalender? Hier, gottlob, und völlig unstrittig: Heute ist auch der Welttag des Fischbrötchens. Welttag? Das ist eventuell ein wenig großspurig gewählt, denn das Fischbrötchen ist bekanntlich eine nahezu ausschließlich an den Küsten von Nord- und Ostsee gepflegte kulturelle Tradition. Und auch Konflikte sind nicht völlig auszuschließen, wenn die Fans des Matjesbrötchens auf die Bismarck-Hering-Bekenner treffen und dann auch noch von den Backfisch-Anhängern provoziert werden – bis sich schließlich alle auf ein zusätzliches Krabbenbrötchen einigen, denn in diesem speziellen Fall gelten Krabben selbstverständlich auch als Fisch.

Das Sympathische daran: Das Fischbrötchen steht für sich. Es stellt keine Gebietsansprüche, sprengt sich nicht in die Luft, will nicht die Welt unterjochen, aber auch nicht um jeden Preis geliebt werden. Es ist einfach nur da und zeigt den friedfertigen Deutschen im Einklang mit seinen regionalen Traditionen, Bierchen inklusive.

Zu viele Brötchen machen eventuell dick? Nicht einmal das ist ein Problem, wie uns der letzte Blick auf den Welttagekalender zeigt. Denn der 6. Mai ist auch und zu alledem der weltweite Anti-Diät-Tag, eine Manifestation gegen Jojo-Effekt und Magerwahn, gegen Kalorienzählen, Body-Mass-Index und Lebensmittelampel. Wie auch immer man zu ihm stehen mag: Am Ende wird er wieder der erfolgreichste von allen gewesen sein.