Matthies meint : 25 Minuten sind nur der Anfang

Es gibt ein paar Dinge, die quer durch die Menschheit und alle politischen Lager hoch geschätzt werden: Freibier, Ferien, Weihnachtsgeld, um nur ein paar zu nennen. In den letzten Jahren hat auch das sogenannte schnelle Internet an Beliebtheit stark gewonnen; wer offen erklärt, ihm reiche auch das langsame, der muss mit Ansagen rechnen, unter denen „Leg dich wieder hin, Opa!“ noch die netteste ist. Frau Bär von der CSU, die zuständige Ministerin, kann sich mit Glasfaserkabeln für Etgersleben und Dröbel-Merkenthin sowie LTE 5 für alle theoretisch glatt kanzlerabel machen – so dringend wollen wir so was.

Aber geht diese Rechnung auch auf? Forscher aus den USA und europäischen Ländern haben untersucht, wie sich das allgemein übliche, aktuell als schnell geltende DSL-Internet auf die Schlafdauer der Menschen auswirkt, und dafür Daten des Breitband-Ausbaus mit Ergebnissen von Gesundheits-Umfragen zusammengeführt. Resultat: Wer DSL hat, schläft 25 Minuten weniger.

Wohin führt uns das? 25 Minuten sind nur der Anfang. Spätestens bei LTE 7 besteht die Menschheit vermutlich nur noch aus schlaflosen Zombies, die von Daten und Informationen leben wie Graf Dracula vom Blut seiner Opfer; fällt der Strom aus oder lähmt ein Softwarefehler die Verbindung, zerfallen sie alsbald zu Staub. Während die ersten Internet-Generationen, von lähmenden Ladebalken und rätselhaften Fehlermeldungen genervt, dann doch lieber mal ins Bett gegangen sind, leben die künftigen 24 Stunden online. Und sie beschließen angesichts der ungehemmten Flut von Bildern und Tönen, zu schlafen, wenn sie tot sind. Schule? Vergiss es. Arbeit? Gähn. Spielen wir lieber ’ne Runde Legend of Zelda!

Das Gegenteil wurde uns damals versprochen. Zeit sollten wir sparen, je digitaler, desto mehr, bis hin zu einer eigenen digitalen Sphäre, die den Alltagskram mit sich selbst regelt, während wir Menschen bei Aperol Sprizz und veganen Grillwürsten quality time mit den Liebsten verbringen. Alles Lüge!

Es kann allerdings auch sein, dass die Studie einfach Unsinn ist, eine Beobachtungsstudie wie jene, die einst zu der Überzeugung führte, der Storch bringe die Kinder. Frau Bär sollte ihre Leute vielleicht mal reinschauen lassen.