Mario Götze und die WM-Pleite : Nicht dabei ist halb gewonnen

Markus Ehrenberg

Aus einer Niederlage einen Triumph machen – auch zwei Tage nach dem WM-Aus der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Südkorea dürfte das den Allermeisten schwer fallen. Ein Hoffnungsschimmer kommt, und das ist selten genug, von einem Werbespot, den der TV-Hersteller Samsung zur WM in Russland auf den Markt gebracht hat. Held darin: Mario Götze. Der Mann, der Deutschland 2014 im Finale gegen Argentinien in der Verlängerung zum WM-Titel schoss („Er macht ihn!“). Der Mann, den Bundestrainer Löw vier Jahre später zum Turnier in Russland nicht mitgenommen hat. Der Mann, der jetzt, mit 26, in der Stunde der deutschen WM-Pein, doch noch zu einer Art Versprechen auf die Zukunft werden könnte. Auf ein Comeback des guten deutschen Fußballs. All das erzählt dieser 60-sekündige Werbespot. Er zeigt Götze zunächst allein vor einem TV-Bildschirm, Löw bei der Kadernominierung, der dunkle Moment, als jener seine Hoffnungen auf einen weiteren Auftritt als großer WM-Spieler begraben muss. Das Trikot mit der Nummer 19 in Flammen, Götze beim Arzt, der Fußballprofi mit seiner Stoffwechselkrankheit, dazu der traurige Johnny- Cash-Klassiker „Hurt“. Die Stimmung könnte schwärzer kaum sein. Dann, wie Phoenix aus der Asche: Götze in der Reha, Götze schuftend auf dem Trainingsplatz, Götze mit entschlossenem Blick, wie er im Moment der persönlichen Niederlage nicht vergisst, seinen Teamkameraden alles Gute zu wünschen: „Jungs, holt den Titel! 2020 wieder zusammen!!“

Mario Götze ist schon länger ein Samsung-Gesicht, war geplant für die WM- Werbung 2018. Interessanterweise hat das Unternehmen seine Kampagne auch nach den Meldungen über Götzes Gesundheitszustand nicht in Frage gestellt. Als demokratische Marke wolle man nicht nur die heroische Welt der Sieger zeigen, sondern den Menschen und dem normalen Leben nahe sein, sagt Samsung. Man wird der Kreativabteilung sowie Regisseur Stuart McIntyre für diese clevere Werbung Extra- Boni zahlen müssen. Götze als gescheiterter Held, der wieder aufsteht – das ist etwas, was Fußball-Deutschland gut gebrauchen kann.

In ihren besten Momenten schafft es Werbung, ein Stück Zeitgeschichte und gleichsam der Zeit voraus zu sein. Und das Frappante bei diesem Götze-Spot: Er hätte auch bei einem neuerlichen deutschen WM-Triumph funktioniert. So wird der Hoffnungsschimmer eben noch ein wenig größer, in Richtung EM 2020. Über die Leidensgeschichte eines einzelnen Spielers hinaus. Markus Ehrenberg