Überregionales : Mängel in Brandenburgs Kliniken

Ein neues Online-Vergleichsportal, der Krankenhausspiegel, legt die Qualität der Behandlung offen

Potsdam - Einige Kliniken in Brandenburg haben erhebliche Mängel bei der Qualität bestimmter Behandlungen. Betroffen sind unter anderem Krankenhäuser in Potsdam, Cottbus und Bernau. Das zeigt das neue Online-Vergleichsportal Krankenhausspiegel Brandenburg. Insgesamt ist die Qualität jedoch meist im grünen Bereich.

Probleme gibt es etwa bei Herzoperationen. Nach Bypassoperationen starben beispielsweise im Jahr 2015 im Sana-Herzzentrum Cottbus 4,7 Prozent der Patienten noch im Krankenhaus. Im bundesweiten Vergleich waren es nur 2,9 Prozent. Bei der kombinierten Herzklappen- und Bypassoperation liegt die Sterbequote in Cottbus bei 9,1, im Immanuel-Klinikum Bernau sogar bei 15,8 Prozent und damit fast doppelt beziehungsweise dreimal so hoch wie im Bundesschnitt (5,3 Prozent).

Der neue Krankenhausspiegel, an dem mit 36 Brandenburger Kliniken an 44 Standorten rund 70 Prozent der Krankenhäuser im Land teilnehmen, soll auch zur Verbesserung der Behandlung beitragen. „Die Qualität der Krankenversorgung in den einzelnen Kliniken wird damit auch für die Bürger vergleichbar“, erklärte Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) am gestrigen Montag bei der Vorstellung des Krankenhausspiegels in Potsdam. „So entsteht ein gesunder Wettbewerb um die besten Ergebnisse, die Häuser können voneinander lernen und auf Dauer noch besser werden.“

In 16 verschiedenen Bereichen wie Brustkrebsoperationen, Geburtshilfe oder Kniegelenkoperationen können Patienten oder Angehörige online die Leistungen der Kliniken vergleichen. Die Daten stammen aus einer externen stationären Qualitätssicherung, die gesetzlich vorgeschrieben ist. Einmal jährlich werden die Zahlen online aktualisiert. So können auch Änderungen in der Qualität nachvollzogen werden. Ähnliche Vergleichsportale gibt es bisher in Thüringen, Hamburg, Bremen und der Region Hannover.

Besonders und neu an dem Krankenhausspiegel sei die einfache Nutzbarkeit, erklärte Detlef Troppens, Chef der Landeskrankenhausgesellschaft Brandenburg. „In drei Klicks sollen auch medizinische Laien die Informationen verständlich nutzen können“, sagte er.

Eine schlechte Bewertung bekommt beispielsweise das KMG Klinikum Kyritz bei Oberschenkelhalsbrüchen: 60 Prozent der Patienten, die nach einer solchen Fraktur ein neues Hüftgelenk bekommen, haben dort Komplikationen. Im Brandenburger Durchschnitt sind es 12,6, im Bundesschnitt 12,1 Prozent. Bei Lungenentzündungen wird eine ganze Reihe von Kliniken als „qualitativ auffällig“ und damit negativ bewertet, weil dort die Patienten vor der Entlassung nicht nach vorgeschriebenen Kriterien untersucht werden. Das gilt unter anderem für das katholische St.-Josefs-Krankenhaus und das kommunale Bergmann-Klinikum Potsdam.

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