Überregionales : Lufthansa kauft die Hälfte von Air Berlin

Konzern übernimmt 81 Flugzeuge und bis zu 3000 Mitarbeiter. Experten: Kartellrechtliche Bedenken

Kevin P. Hoffmann Heike Jahberg

Berlin - Zwei Monate nach der Zahlungsunfähigkeit ist die Fluggesellschaft Air Berlin zerschlagen worden. Der Lufthansa-Konzern unterzeichnete am Donnerstag in Berlin einen Vertrag zur Übernahme von insgesamt 81 von zuletzt 144 Flugzeugen aus der Flotte des zuletzt größten Konkurrenten hierzulande. Sie sollen in die Flotte der Lufthansa-Billigflugtochter Eurowings integriert werden, die damit allein zur viertgrößten Fluggesellschaft Europas aufsteigen soll. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sprach von einem „historischen Tag“.

Lufthansa überweist laut Air Berlin rund 210 Millionen Euro an die Gläubiger und erhält dafür mehr als die Hälfte der Airline, die in ihren besten Jahren pro Jahr mehr als vier Milliarden Umsatz gemacht hatte. Lufthansa will 3000 neue Stellen schaffen. Die Hälfte davon dürfte direkt mit Angestellten der nun gekauften Air-Berlin-Ferienflugtochter Niki und der Regionalfluggesellschaft LGW besetzt werden, die andere Hälfte wird ausgeschrieben. Zuletzt hatte die Airline gut 8000 Personen beschäftigt.

Mit dem Geschäft sollte Air Berlin in der Lage sein, den Bundeskredit von 150 Millionen Euro zurückzuzahlen, der der Airline nach dem Insolvenzantrag Mitte August gewährt worden war. Eigentlich hatten Air Berlins Vorstand und die vom Gericht bestellten Verwalter bis Donnerstag auch eine Einigung mit der zweiten Bieterin, der britischen Fluglinie Easyjet, erreichen wollen. Das gelang nicht. Easyjet will dem Vernehmen nach 20 bis 30 Flieger übernehmen und diese in Düsseldorf und Berlin stationieren.

Die Einigung muss noch durch die EU- Kommission kartellrechtlich überprüft werden, da Lufthansa seine Marktanteile in Deutschland und Europa deutlich steigern würde. Allein am Flughafen Tegel dürfte rund jeder zweite angebotene Flug von einer Airline der Lufthansa-Gruppe durchgeführt werden. Spohr zeigte sich zuversichtlich, dass er eine kartellrechtliche Genehmigung erhält. Experten äußerten daran Zweifel. „Die Wettbewerbsbehörden werden ein mögliches Monopol verhindern“, so Achim Wambach, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung und Vorsitzender der Monopolkommission, dem Beratungsgremium der Bundesregierung. Klaus Müller, Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, riet zu Kulanz im Umgang mit Air-Berlin-Kunden. „Ich finde, die Lufthansa sollte alle vorab bezahlten Tickets von Air Berlin eins zu eins akzeptieren“, sagte Müller dieser Zeitung.

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