Überregionales : Lufthansa greift nach Air Berlin

Aktie der angeschlagenen Airline legt kräftig zu

Kevin P. Hoffmann

Berlin/Hamburg - Eine Übernahme der existenzbedrohten Fluggesellschaft Air Berlin durch den Europas Marktführer Lufthansa wird wahrscheinlicher. Lufthansa-Chef Carsten Spohr bekundete auf der Hauptversammlung seines Unternehmens in Hamburg offiziell seine Kaufabsicht und bezeichnete kartellrechtliche Probleme als „lösbar“. Das Geschäft wäre zustimmungspflichtig durch Kartellbehörden, da hier der Zusammenschluss der Nummer eins und zwei auf dem deutschen Luftverkehrsmarkt im Raum steht und Lufthansa auch auf dem europäischen Markt mehr Gewicht bekommen würde. Die Beteiligen müssen mit Klagen von Konkurrenten wie Air France-KLM, Ryanair und Easyjet rechnen.

Die größere Hürde für eine Übernahme ist der hohen Schuldenstand von Air Berlin in Höhe von 1,2 Milliarden Euro. Hier sieht Spohr Air Berlins Großaktionär Etihad Airways, die Staatsfluglinie der Vereinigten Arabischen Emirate, in der Pflicht. „Die Schuldenfrage muss in Abu Dhabi geklärt werden“, sagte Spohr in Hamburg laut der Nachrichtenagentur Reuters.

Anfang der Woche war der Lufthansa- Chef als Teil der Delegation von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in das Emirat Abu Dhabi gereist und hatte dort auch direkt mit Etihad-Chef Scheich Ahmed Bin Saif Al Nahyan verhandelt. Details sind nicht bekannt, es gilt aber als offenes Geheimnis, dass die Eigentümer gesichtswahrend bei Air Berlin aussteigen wollen. Wie erst diese Woche bekannt geworden war, haben die Araber noch Ende März einen dreistelligen Millionenbetrag bei Air Berlin nachgeschossen. Insgesamt stehen bei Air Berlin bis zu 8000 Jobs auf dem Spiel. Die Aussicht auf eine Übernahme motivierte Anleger zum Kauf der Aktie: Der Kurs von Air Berlin legte am Freitag um bis zu 15 Prozent zu. Kevin P. Hoffmann

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