Überregionales : Lufthansa: Berlin ist kein Wirtschaftszentrum

Airline lehnt neue Langstreckenflüge ab Tegel ab

J. Hein J. C. Bockenheimer

Berlin - Deutschlands größte Fluggesellschaft hat Berlin als Luftfahrtstandort abgeschrieben. „Angesichts der überschaubaren wirtschaftlichen Kraft Berlins kann man von uns nicht verlangen, die Stadt mit vielen Direktverbindungen an die Wirtschaftsmetropolen dieser Welt anzubinden“, sagte Kay Lindemann, Cheflobbyist der Lufthansa, dieser Zeitung. Berlin als alleiniger Quellmarkt fülle solche Nonstopverbindungen aktuell nicht.

Diese Absage an die Hauptstadt kommt genau ein Jahr nach der Insolvenz von Air Berlin am 15. August 2017. Die Lufthansa übernahm in der Folge Teile der Airline und konnte ihren Marktanteil im innerdeutschen Flugverkehr mit diesem Schritt von 69 auf jetzt 89,2 Prozent erhöhen. Immer wieder sah sich die Lufthansa seither Vorwürfen ausgesetzt, sie vernachlässige Berlin. So strich der Konzern die einzige Air-Berlin-Langstreckenverbindung, einen Flug zum New Yorker JFK-Airport, kurz nach der Übernahme.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) kritisiert die Lufthansa dafür und verlangt bessere Verbindungen: „Ich wünsche mir, dass das Unternehmen sein Engagement in der Hauptstadt ausweitet. Berlin zieht immer mehr Menschen aus beruflichen, aber auch aus touristischen Gründen an. Das Einstellen der Direktverbindung nach New York ist deshalb falsch und gegen den langfristigen Entwicklungstrend der Stadt“, sagte er dem Tagesspiegel. Ähnliche Töne kamen aus der Wirtschaft: „Berlin ist die Hauptstadt der größten und wichtigsten Volkswirtschaft wie auch der wissenschaftliche Hotspot Europas“, sagte IHK-Vizegeschäftsführer Christoph Irrgang. Lufthansa-Manager Lindemann hielt dagegen: „Wir binden die Hauptstadt gut an. Dennoch hat Berlin keine Dax-Konzerne, ist auch sonst kein Wirtschaftszentrum und bekommt den Flughafen nicht fertig“, sagte er. Die Opposition sieht den Senat in der Pflicht.

Die Bundesregierung kann inzwischen doch auf eine komplette Rückzahlung des umstrittenen 150-Millionen- Euro-Kredits an Air Berlin hoffen. Allerdings muss sie darauf wohl noch einige Jahre warten, sagte Air-Berlin-Insolvenzverwalter Lucas Flöther am Dienstag der Agentur Reuters. Er gehe davon aus, dass er den Großteil der Summe aus der Verwertung des restlichen Vermögens und der Anfechtung von Auszahlungen vor der Insolvenz „im Lauf der nächsten Jahre“ zurückzahlen könne. Die Hälfte des Massedarlehens – rund 75 Millionen Euro – habe der Bund bereits zurückbekommen. Noch im Frühjahr habe es so ausgesehen, als würde es auch nicht mehr werden.J. Hein / J. C. Bockenheimer