• Linke besetzen FH in Potsdams Mitte Protest gegen Abriss, Forderung nach Moratorium. Am Abend begann die Räumung des DDR-Baus

Überregionales : Linke besetzen FH in Potsdams Mitte Protest gegen Abriss, Forderung nach Moratorium. Am Abend begann die Räumung des DDR-Baus

Alexander Fröhlich

Potsdam - Der jahrelange Konflikt um die Gestaltung der Potsdamer Mitte spitzt sich dramatisch zu. Dutzende Gegner des geplanten Abrisses der zur DDR-Zeit errichteten Fachhochschule (FH) im neu entstehenden Stadtzentrum haben das Gebäude am Donnerstag für mehrere Stunden besetzt. Gegen 20 Uhr kam es zu ersten Rangeleien mit der Polizei, die mit der Räumung begann. Vorher war es friedlich geblieben. Über Festnahmen oder mögliche Verletzte wurde zunächst nichts bekannt. In einem Raum sollen Pflastersteine gefunden worden sein.

Das Gebäude wird bis Monatsende von einem FH-Fachbereich genutzt, dann wird es leergezogen. Die Besetzer hatten erklärt, der Betrieb der Fachhochschule könne weiterlaufen. „Wir bleiben im Gebäude bis uns der Nichtabriss und öffentliche Weiternutzung zugesichert wurden“, hieß es von der Initiative „Bitte stehen lassen“. Eine weitere Gruppe rief zeitgleich zu einem Protestcamp vor dem Gebäude gegen die Politik der Landeshauptstadt auf. Dazu kamen am Nachmittag mehr als 150 Anhänger aus der linken Szene der Stadt, die auch Sofas und Stühle mitbrachten. Die Polizei war mit mehr als 170 Beamten vor Ort, am Abend wurde Verstärkung angefordert.

In den Stunden nach der Besetzung hatten Vertreter der FH, des Landes und der Stadt mit den Besetzern versucht zu verhandeln. Es verstrichen mehrere Ultimaten zum freiwilligen Abzug, die die Leitung der FH ausgesprochen hatte. Gegen 20 Uhr ließ FH-Präsident Eckehard Binas alle Räume bis auf die Mensa räumen.

Die Stadt will das FH-Gebäude abreißen lassen. Stattdessen sollen dort private Bauherren Wohn- und Geschäftshäuser teils mit historischen Fassaden errichten. Über die weitere Gestaltung der Potsdamer Mitte rund um den Alten Markt gibt es bereits seit Jahren heftige Debatten. Gegner der städtischen Baupläne kritisieren, Potsdam werde zum preußischen Disneyland und bedeutende DDR-Architektur zerstört. Zudem werde die freie Szene an den Rand der Stadt verdrängt, öffentliche Räume privatisiert.

Befürworter sehen die Stadt nach dem als Landtag wiederaufgebauten Stadtschloss und dem Neubau des Museums Barberini auf dem Weg, ihre frühere Schönheit zurückzuerhalten. Die Pläne für die Mitte werden seit Jahren im Stadtparlament debattiert, stets hatte eine Mehrheit aus SPD, CDU/ANW, Grünen und Bürgerbündnis/FDP die Wiedergewinnung der historischen Mitte und auchden Abriss der FH beschlossen.

Kritik an der Besetzung übten am Donnerstag Stadtpolitiker von CDU und SPD, die auch an die demokratischen Mehrheitsentscheidungen zur Stadtmitte erinnerten. Demnach stelle die Besetzung eine Missachtung demokratischer Entscheidungen dar, stellte der SPD-Stadtfraktionschef Pete Heuer fest. (mit mar)

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