Kunsthalle : Plattner baut - wenn Potsdam will

Der Mäzen und Softwaremilliardäre Hasso Plattner hat seine Pläne für die Kunsthalle präzisiert, die er der Landeshauptstadt schenken und mit seiner Förderstiftung dauerhaft betreiben und ausstatten will.

Potsdam -  Im PNN-Interview sagte Plattner am Freitag, er wolle „etwas schaffen, was auch in einhundert Jahren noch da ist und Wert hat, wenn sich niemand mehr erinnert, wer Hasso Plattner war“. Potsdam sei dafür ein idealer Ort. „Die Stadt ist selbst ein ästhetisches Kunstwerk, hat aber keine Kunsthalle.“

In dem Museum will Plattner als erstes eine Dauerausstellung mit Werken der vergangenen 60 Jahre aus der ehemaligen DDR und den neuen Bundesländern zeigen. Die Erstellung dieser Sammlung habe er bereits in Auftrag gegeben. Langfristig soll seine dem Vernehmen nach sehr wertvolle private Kunstsammlung mit Werken der Klassischen Moderne in der Potsdamer Kunsthalle ihre Heimstatt finden. „Ich möchte vorsorgen, dass, wenn bei mir einmal der Erbfall eintritt, meine Sammlung, meine Bilder, die ich über viele Jahre erworben habe, nicht bei einer Auktion bei Sotheby’s oder Christies auseinander gerissen werden“, sagte Plattner. Die Werke würden „über die Zeit in das neue Museum einziehen“, versprach er.

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Plattner betonte, seine Kunsthalle müsse in Potsdam gewollt sein: „Ich will nichts aufzwingen. Wenn ich das Gefühl habe, dass sie nicht gewollt wird, dann werde ich es nicht machen.“ Er habe „überhaupt keinen Grund, mich gegen die Bevölkerung in der Stadt zu stellen, selbst wenn es eine Minderheit ist“. Die Kunsthalle sei ihm ein Anliegen, „das von vorne bis hinten Freude machen soll. Wenn es die nicht macht, werde ich es nicht tun“.

Plattner bekräftigte, dass er die Kunsthalle am liebsten vis-à-vis des Stadtschlosses auf dem Grundstück errichten möchte, wo jetzt der Plattenbau des Hotel Mercure steht: „Für eine Kunsthalle gibt es in Deutschland kein schöneres Grundstück.“ Stehe es zur Verfügung, werde er die Fläche durch die Hasso Plattner Förderstiftung erwerben. Doch über den für den Bau der Kunsthalle nötigen Abriss des Hotel Mercure müssten die Potsdamer entscheiden: „Das ist eine Sache, die die Stadt mit sich, mit der Bürgerschaft austragen muss. Das muss Potsdam entscheiden.“ Sollte er an diesem Standort bauen können, kündigte Plattner für die Kunsthalle eine moderne Architektur an. „Es muss etwas Modernes, Gutes, aber Bescheidenes werden“, so Plattner.

Plattners Pläne für die Kunsthalle, über die die PNN am Freitag exklusiv berichtet hatten, sorgten überwiegend für Freude und Aufregung in Potsdam. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sagte, dies sei nicht nur eine große Ehre für die Stadt Potsdam, sondern für das ganze Land Brandenburg. Das Bedürfnis nach einem Ort für moderne Kunst und zeitgenössische Künstler sei zweifellos vorhanden, betonte er. „Die Kunsthalle wird das kulturelle Leben der Landeshauptstadt nachhaltig bereichern.“ Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) bekräftigte, dass Plattners Angebot für eine Potsdamer Kunsthalle „mit herausragenden Zeugnissen der Kunst“ eine einmalige Chance für die Landeshauptstadt sei. Aus dem Rathaus hieß es, bis zum Sommer sollten die Einzelheiten geklärt sein, damit 2013 mit den Bauarbeiten begonnen werden könne.

Auch zahlreiche prominente Potsdamer äußerten sich begeistert von Plattners Angebot. „Das ist eine großartige Nachricht“, sagte Fernsehmoderator Günther Jauch. Plattner sei für Potsdam ein „chronischer Glücksfall“. Klar sprach sich Jauch für einen Abriss des Hotel Mercure zugunsten der Kunsthalle aus: „Und wenn es dann noch gelänge, neben dem Bau einer Kunsthalle gleichzeitig auch den Schandfleck Mercure-Hotel zu beseitigen, wäre das doppelt schön.“

Potsdams Stadtpolitik reagierte erfreut bis euphorisch auf die Pläne für die Plattner-Kunsthalle. SPD, CDU und FDP sprachen sich bereits eindeutig für einen Abriss des Hotel Mercure aus. Linke-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg dagegen lehnt einen Abriss ab. Plattners Angebot sei eine tolle Chance für die Stadt. „Die sollten wir nutzen, aber nicht um jeden Preis“, so Scharfenberg. Es müsse eine Standortdiskussion geben. Der ab 1966 als Interhotel errichtete Plattenbau sei ein „funktionstüchtiges Hotel“ und kein das Stadtschloss „störendes Element“. (mit pee, thm)

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