Überregionales : Kraft für Gabriel als Kanzlerkandidat

NRW-Regierungschefin wirbt für den SPD-Chef

Hans Monath

Berlin - Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) setzt sich dafür ein, dass Sigmar Gabriel die SPD als Kanzlerkandidat in die Bundestagswahl 2017 führt. „Ich bin überzeugt, dass Sigmar Gabriel ein guter Kanzler wäre“, sagte die stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende und Chefin des größten SPD-Landesverbandes dieser Zeitung. Gabriel habe „als Vorsitzender gezeigt, dass er die SPD überzeugend führen kann“, sagte sie. Auch sei er ein „guter und erfolgreicher Vizekanzler“. Kraft muss sich kommenden Mai selbst der Landtagswahl in NRW stellen. Deren Ausgang gilt als wichtiger Stimmungstest vor der Bundestagswahl im Herbst.

Zu ihrem persönlichen Verhältnis zu Gabriel meinte die SPD-Politikerin: „Keiner von uns beiden bestreitet, dass wir uns über Inhalte kräftig fetzen können. Aber das sind immer Auseinandersetzungen auf der sachlichen Ebene. Auf der persönlichen Schiene respektieren und mögen wir uns.“ Bisher hat Gabriel noch nicht erklärt, ob er Kanzlerkandidat werden will. Die Entscheidung soll nach dem bisher festgelegten Zeitplan erst Anfang nächsten Jahres fallen.

Zwei Tage vor einem Treffen der Parteichefs Angela Merkel (CDU), Horst Seehofer und Gabriel zur Suche nach einem Nachfolger von Joachim Gauck als Bundespräsidenten warb die NRW-Ministerpräsidentin dafür, Außenminister Frank-Walter Steinmeier (ebenfalls SPD) mit dieser Aufgabe zu betrauen. Er verfüge „über exzellente Voraussetzungen“, sagte sie. Der Bundespräsident müsse Deutschland im Ausland repräsentieren, wozu „ein gewisses Format“ notwendig sei. Zudem solle er politische Erfahrungen mitbringen, da Turbulenzen entstehen könnten, wenn der Amtsinhaber „mit diesem manchmal harten Geschäft nicht vertraut ist“. Das Treffen sollte ursprünglich am Freitag stattfinden, war aber wegen einer Erkrankung Gabriels auf Sonntag verschoben worden.

Unruhe in Teilen der SPD löste die Nachricht aus, dass der Wahlkampfstratege Frank Stauss sich nicht um den wichtigsten Etat der Partei für den Bundestagswahlkampf bewerben will. Zwischen Stauss und Gabriel war es in diesem Jahr zu Meinungsverschiedenheiten gekommen, ob die SPD sich als unbedingte Vorkämpferin einer offenen Gesellschaft präsentieren oder stärker auf das Sicherheitsbedürfnis von Wählern reagieren solle. Stauss hatte auch den Wahlkampf der Berliner SPD verantwortet. Hans Monath

Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.