• Kampf gegen IS fordert Tausende Opfer Hunderttausende leiden unter Militäroffensiven in Irak und in Syrien. 3000 tote Zivilisten in Mossul

Überregionales : Kampf gegen IS fordert Tausende Opfer Hunderttausende leiden unter Militäroffensiven in Irak und in Syrien. 3000 tote Zivilisten in Mossul

Mossul/Damaskus/Genf/Berlin - Bei den Kämpfen gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) im Irak und Syrien sterben Tausende Unschuldige. So ist die Zahl der getöteten Zivilisten bei der Offensive auf die nordirakische IS-Hochburg Mossul nach Angaben des irakischen Zivilschutzes stark gestiegen. Seit Beginn des Angriffs auf den Westteil der Stadt im Februar seien mehr als 3000 Zivilisten ums Leben gekommen, sagte ein Vertreter der irakischen Zivilverteidigung, der ungenannt bleiben wollte, am Freitag der dpa. Unter ihnen seien Kinder, Frauen und Alte.

Die meisten Opfer seien in den vergangenen drei Tagen bei Luftangriffen und Artilleriefeuer auf die Altstadt von Mossul getötet worden, erklärte der Vertreter weiter. Hunderte Opfer lägen noch in verschiedenen Vierteln West-Mossuls unter den Trümmern. Sie könnten nicht geborgen werden, weil IS-Scharfschützen das verhinderten und Helfer nicht in der Lage seien, die Trümmer zu heben.

Am Mittwoch waren bei einer gewaltigen Explosion in West-Mossul verschiedenen Berichten zufolge mehr als 100 Zivilisten getötet worden. Die Ursache der Detonation ist unklar. Ein Aktivist berichtete, bei einem Luftangriff sei ein mit Sprengstoff beladener Laster getroffen worden. Ein irakischer General erklärte hingegen, Mitglieder des „Islamischen Staats“ hätten Häuser mit Sprengfallen versehen.

Die Offensive auf die letzte Bastion der Terrormiliz im Irak hatte im Oktober begonnen. Allein in der eng bebauten Altstadt Mossuls sind laut den UN noch 400 000 Menschen eingekesselt. Die US-geführte internationale Koalition unterstützt den Angriff mit Luftschlägen. Doch die Islamisten wehren sich mit allen Mitteln. Selbstmordattentäter werden ebenso eingesetzt wie Heckenschützen. Viele Gebäude sind vermint, Zivilisten werden zu Tausenden als Schutzschilde missbraucht. Auch gibt es Berichte, dass der IS vor allem junge Männer unter Zwang rekrutiert. Viele Menschen versuchen deshalb, sich außerhalb der Stadt in Sicherheit zu bringen. Allein seit Februar sollen fast 160 000 Einwohner geflohen sein. Doch die Auffanglager außerhalb Mossuls sind völlig überfüllt. Es mangelt an Lebensmitteln und Notunterkünften. Völlig unklar ist auch, was aus dem sunnitisch geprägten Mossul wird, wenn der IS vertrieben ist und Bagdads schiitische Einheiten die Kontrolle übernehmen.

Aus Syrien hatten Aktivisten in den vergangenen Tagen ebenfalls Dutzende tote Zivilisten nach Luftangriffen der internationalen Koalition gemeldet. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte am Freitag mit, in den vergangenen vier Wochen seien bei Bombardements in verschiedenen Regionen 220 Zivilisten getötet worden. Die US-Armee erklärte, sie untersuche die Vorfälle. Auch bei Damaskus wird nach zwei Jahren relativer Ruhe wieder heftig gekämpft. Vor wenigen Tagen hatten islamistische und nichtislamistische Aufständische mit Angriffen auf die Stadt begonnen. Ch.B./lha/dpa