Überregionales : Jintao: Putin ist „alter Freund“ Chinas

China und Russland wollen ihre Kooperation ausbauen / Vor allem um Energiepreise wird gepokert

Peking - Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao hat den Besuch von Russlands Ministerpräsidenten Wladimir Putin in Peking als „produktiv“ bewertet. Bei einem Treffen am Mittwoch sagte der chinesische Präsident, die „umfassenden strategischen Beziehungen“ seien gestärkt worden. Putin sei ein „alter Freund des chinesischen Volkes“. Der russische Regierungschef begrüßte die Unterzeichnung von mehreren Kooperationsabkommen am Vortag „mit einem Umfang von mehr als sieben Milliarden US-Dollar“ (5,5 Milliarden Euro).

Beide Seiten wollen ihre Zusammenarbeit in den Bereichen Energie, Investitionen, Umweltschutz und Hochtechnologie ausweiten. Die russische Seite gab sich demonstrativ zuversichtlich, dass auch die seit fünf Jahren laufenden Verhandlungen über Langzeitlieferungen von Gas bald abgeschlossen werden könnten. Vizeministerpräsident Igor Sechin sah die Verhandlungen „an der Schwelle zu einer Einigung“, wie ihn die Nachrichtenagentur Itar-Tass zitierte.

Bis 2020 werde China ein Defizit von 200 Milliarden Kubikmeter an benötigtem Gas haben, was Gazprom Verträge über Lieferungen an China garantiere, sagte Sechin. In den Verhandlungen pokern beide Seiten vor allem um die Preise. Am Vortag hatte Putin bereits Gespräche mit Regierungschef Wen Jiabao geführt. Beide Seiten wollen ihre politischen und wirtschaftlichen Beziehungen ausbauen. China ist 2010 zum größten Handelspartner Russlands aufgestiegen und hat damit Deutschland überholt. Nach 59 Milliarden US-Dollar 2010 könnte das Handelsvolumen in diesem Jahr vielleicht „fast 80 Milliarden US-Dollar“ erreichen, sagte Putin. 2015 werden 100 Milliarden angestrebt. Energielieferungen machen aber weiter 71 Prozent der russischen Exporte nach China aus. „Diversifizierung der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen ist unser Ziel“, sagte Putin. Es ist seine erste Auslandsreise seit seiner Ankündigung, bei der Wahl im nächsten Jahr wieder für das Amt des Präsidenten zu kandidieren. Über die unterzeichneten Abkommen in Energie, Investitionen und Metallindustrie wurden wenig Details bekannt. Die russische Staatsentwicklungsbank (VEB) vereinbarte mit der chinesischen Entwicklungsbank die Finanzierung über die erste Phase einer Aluminium-Hütte in Russland. Das Volumen wurde laut Itar-Tass auf schätzungsweise 1,5 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Beide Seiten wollen ferner jeweils eine Milliarde US-Dollar in einen gemeinsamen Fonds für Investitionen in Russland stecken, der mit weiterem Kapital aus China auf drei oder vier Milliarden aufgestockt werden soll. dpa

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