Überregionales : Jedes siebte Kind lebt von Hartz IV

2,1 Millionen Minderjährige in Deutschland beziehen Grundsicherung. Anstieg durch Zuwanderung

Cordula Eubel

Berlin/Potsdam - In Brandenburg lebt wie im Bundesschnitt fast jedes siebte Kind von Hartz IV, in Berlin sogar jedes dritte. Bundesweit waren im Juni 2017 rund 2,05 Millionen Kinder unter 18 Jahren auf Leistungen aus der Grundsicherung angewiesen, wie jüngste Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) zeigen. Das waren 5,2 Prozent mehr als im Vorjahr und 8,6 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren. In Brandenburg bezogen knapp 60 000 der Minderjährigen (15,2 Prozent) die Grundsicherung. Das ist entgegen dem Bundestrend eine geringe Abnahme im Vergleich zum Vorjahr.

Anspruch auf Hartz IV haben die Eltern in der Regel dann, wenn sie keinen Job finden, aber auch wenn ihr Arbeitslohn nicht zum Leben reicht. Die Zahl der betroffenen Kinder ist laut Bundesagentur auch deswegen gestiegen, weil ein Teil der Flüchtlingsfamilien inzwischen im Hartz-IV-System gelandet ist. Wenn die Eltern nach dem Abschluss ihres Asylverfahrens und dem Absolvieren von Sprach- und Integrationskursen erst mal keine Arbeit finden, kommen in der Regel die Jobcenter für den Lebensunterhalt auf. Besonders stark stieg in den vergangenen Jahren die Zahl der Kinder aus Syrien, die auf Hartz IV angewiesen sind, von 7659 im Juni 2013 auf 205 222 im Juni 2017. Aber auch bei den unter 18-Jährigen aus dem Irak und aus Afghanistan ist ein spürbares Plus zu verzeichnen.

Zunehmend leben aber auch Minderjährige von Hartz IV, deren Eltern aus anderen EU-Ländern kommen. Im Zuge der EU-Osterweiterung hat in Deutschland die Zahl der Beschäftigten aus diesen Ländern zugenommen, aber gleichzeitig auch die Zahl der Hartz-IV-Empfänger. So lebten im Juni 2017 in Deutschland rund 30 000 Kinder aus Bulgarien von Hartz IV, sowie 28 000 Kinder aus Rumänien und 22 000 aus Polen. „Es sind neue Gruppen in der Grundsicherung angekommen – und das wird bei den Kindern besonders deutlich“, sagt der Arbeitsmarktforscher Torsten Lietzmann vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Dagegen sei die Zahl der auf Hartz IV angewiesenen, bereits hier gewesenen Kinder in den vergangenen Jahren beständig zurückgegangen. Grund dafür ist laut Lietzmann die sinkende Zahl der langzeitarbeitslosen Hartz-IV-Empfänger, die 2017 bei gut 800 000 lag.

Das Risiko, als Kind auf Hartz IV angewiesen zu sein, fällt dabei in Deutschland regional sehr unterschiedlich aus. Den höchsten Anteil an Hilfebedürftigen weisen Berlin und Bremen auf: 2017 musste hier etwa jedes dritte Kind von der Grundsicherung leben. Über die niedrigsten Quoten verfügen Bayern (6,8 Prozent) und Baden-Württemberg (8,4 Prozent) – also die Länder, in denen auch die Arbeitslosenquote deutlich geringer ausfällt.

Knapp die Hälfte der Kinder in Hartz-IV-Familien leben laut der Statistik der Bundesagentur bei einem alleinerziehenden Elternteil (rund 960 000 unter 18-Jährige). (mit dpa)

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