Überregionales : Jakobs dankt Verwaltungs-Kritiker Jauch

Preis für Schelte an Potsdams Baubürokratie / Moderator finanziert „Arche“-Projekt und Exploratorium

Potsdam/Berlin - Für seine Kritik an der Willkür-Praxis der Potsdamer Bauverwaltung ist Günther Jauch gestern Abend ausgezeichnet worden. Der Fernsehjournalist erhielt in Berlin den mit 100 000 Euro dotierten „Werner-Bonhoff-Preis wider den Paragraphen-Dschungel“ der Bonhoff- Stiftung. Jauch will das Geld für soziale Projekte in Potsdam spenden.

Jauch habe mit seinem Aufbegehren gegen Behördenwillkür vor einem Jahr einen „Dienst an der Allgemeinheit“ geleistet, so Gunnar Folke Schuppert, Professor für Staats- und Verwaltungswissenschaft an der Berliner Humboldt-Universität. Die Laudatio hielt Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Er betonte, dass nach dem Anstoß von Jauch im Rathaus umfassende Konsequenzen gezogen worden sind. Als erste Kommune bundesweit hat Potsdam etwa eine „Clearingstelle“ für besonders strittige Auseinandersetzungen um Investitionen eingerichtet, die es in der Unesco-Welterbestadt häufig gibt.

Jauch hatte den Potsdamer Bau- und Denkmalbehörden im März 2007 Ungleichbehandlung vorgeworfen. „Denkmaldetailvernichter und Pinselsanierer“ hätten oftmals gute Chancen, mit ihrer „Rambo-Mentalität durchzukommen“, sagte Jauch damals – und löste so eine veritable Rathaus-Krise aus. Oberbürgermeister Jakobs setzte den Berliner Verwaltungsrechtler Prof. Ulrich Battis ein, um Bau- und Denkmalamt zu untersuchen. Der Battis-Untersuchungsbericht bestätigte Jauchs Kritik und stellte der Bauverwaltung ein verheerendes Zeugnis aus: Es herrsche Willkür, die „gleichmäßige Anwendung des Rechtes“ sei „organisatorisch nicht sichergestellt“; Defizite gebe es in „Organisation, Führung und Zusammenarbeit“. Personelle Konsequenzen wie die Ablösung der Baubeigeordneten Elke von Kuick-Frenz (SPD) oder des Denkmalpflege-Bereichsleiters Andreas Kalesse hat es jedoch nicht gegeben. Darüber könne man streiten, sagte Jauch gestern. Er könne zumindest nachvollziehen, dass dies arbeitsrechtlich und politisch schwierig sei. Ausdrücklich lobte Jauch, dass sich Jakobs nicht „weggeduckt“, sondern „den Ball angenommen“ habe. Er übte keine neue Kritik an der Bau- und Denkmalverwaltung. „Der Ton hat sich verändert, habe ich gehört“, so Jauch. Der Bürger trete weniger als Bittsteller auf, die Behörde sei vorsichtiger und kompromissbereiter. „Wenn meine Kritik dazu geführt hat, bin ich froh.“

Trotzdem will Jauch, wie er gestern bekräftigte, in Potsdam keine Häuser mehr sanieren. Er habe lange „in Steine investiert, und das war auch gut und richtig“. Jetzt aber wolle er in Potsdam „in Köpfe, in Menschen investieren“. Für die Potsdamer „Arche“ werde er unbefristet die kompletten laufenden Kosten übernehmen. In der Einrichtung, die in wenigen Monaten im Brennpunkt-Stadtteil Drewitz eröffnet, sollen bedürftige Kinder Mittagessen, Hilfe bei Hausaufgaben bekommen. „Eine Heimat nach der Schule“, so Jauch. Träger ist der Verein Christliches Kinder- und Jugendwerk e.V., der Archen bereits in Berlin, München und Hamburg betreibt. Mit dem Preisgeld will Jauch außerdem das in finanziellen Schwierigkeiten steckende, beliebte Kinder-Mitmach-Museum „Exploratorium“ sowie Potsdams erste katholische Grundschule unterstützen. Es ist die die Marienschule, die im Herbst 69 Jahre nach der Schließung durch die Nazis wiedereröffnen soll.

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