Überregionales : Islamisten-Schläger verbreiten Terror

Tschetschenen-Gruppe soll bis zu 100 Männer umfassen. Staatsschutz ermittelt. Brandenburg prüft jetzt

Hannes Heine Dimitri Vachedin

Berlin - Eine Gruppe von islamistischen Schlägern soll in Berlin lebende Tschetschenen, insbesondere Frauen und deren Kontakte wegen vermeintlichen Verstößen gegen ihre archaischen Moralvorstellungen bedroht und angegriffen haben. Einige Opfer sollen schwer verletzt worden sein. Nun ermittelt nach Informationen dieser Zeitung der Staatsschutz des Berliner Landeskriminalamtes gegen unbekannt wegen „Störung des Rechtsfriedens durch Androhung von Straftaten“. Trotz der engen Verbindungen der tschetschenischen Islamisten-Szene in Berlin und Brandenburg ist der Fall beim Brandenburger LKA noch nicht bekannt. Die Berliner Ermittlungen hätten gerade erste begonnen, hieß es aus Sicherheitskreisen.

Auslöser ist ein Video, das dieser Zeitung vorliegt und seit Mai in der tschetschenischen Community kursiert. Es zeigt das Foto eines Mannes mit Sturmhaube, der mit einer Pistole in die Kamera zielt. Auf Tschetschenisch sagt eine Stimme: „As-salamu alaykum, muslimische Brüder und Schwestern, ihr wisst es, ich weiß es, jeder weiß es.“ In Europa täten einige „tschetschenische Frauen – und Männer, die wie Frauen aussehen – unaussprechbare Dinge“. Falls man die Gelegenheit dazu habe, „werden wir sie maßregeln“. Etwa 80 Gleichgesinnte seien sie, „weitere wollen beitreten“. Sie hätten auf den Koran geschworen, „wir gehen raus auf die Straßen. Sag nicht, du seist nicht gewarnt worden. Sag nicht, du hättest es nicht gewusst.“ Die Polizei äußert sich wegen der Ermittlungen nicht zu dem Fall. In Deutschland lebende Tschetschenen berichten übereinstimmend, die Berliner Schlägergruppe vereine möglicherweise bis zu 100 Männer, die bewaffnet seien und von Tätern mit Kriegserfahrung angeführt würden. Mindestens zwei junge Frauen und einen Mann soll die Gruppe in den vergangenen Wochen verprügelt haben. Zwei weitere Frauen sollen bedroht und verfolgt worden sein.

Aus Justizkreisen heißt es, straff organisierte, salafistische Tschetschenen seien in Berlin und Brandenburg zunehmend eine Gefahr. Es gebe viele Hinweise auf religiös motivierte Taten, aber auch auf Drogenhandel und Erpressung. Zuletzt wurden Tschetschenen im Mai nach Schüssen auf eine Berliner Bar festgenommen. In Heimen hatten Tschetschenen christliche Asylbewerber angegriffen.

Statistisch lässt sich nicht ermitteln, ob Tschetschenen auffälliger sind, da es keine tschetschenische Staatsbürgerschaft gibt. Angehörige dieses sunnitischen Volkes aus dem Kaukasus leben zudem nicht nur in Tschetschenien, der Teilrepublik Russlands, sondern auch in Dagestan und Inguschetien – sie haben russische Pässe. Dazu kommen Tschetschenen aus Georgien, selten aus Kasachstan. Angenommen wird, dass die Tschetschenienkriege zwischen den muslimischen Separatisten und der russischen Regierung nach dem Ende der Sowjetunion zur Radikalisierung beigetragen haben. Seit Jahren stellen die Behörden immer wieder „vereinzelte Bezüge zu Ermittlungskomplexen der russisch-eurasischen Organisierten Kriminalität“ fest, hieß es. (mit axf)

Diese Zeitung konnte mit Opfern selbst ernannter tschetschenischer Moralwächter sprechen – Seite 3

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