• Zugriff in der Villengegend: Polizei nimmt mutmaßlichen Serienvergewaltiger in Berlin-Wannsee fest
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Zugriff in der Villengegend : Polizei nimmt mutmaßlichen Serienvergewaltiger in Berlin-Wannsee fest

Verfolgungsjagd, Warnschüsse, Hubschrauber: Nach einer neuen Vergewaltigung wird der mutmaßliche Serientäter gestellt – von der Brandenburger Polizei.

Alexander Fröhlich Anima Müller Eva Schmid
Die Potsdamer Polizei suchte am Dienstag nach dem Mann, der in einem Wald bei Potsdam eine junge Frau vergewaltigt haben soll.
Die Potsdamer Polizei suchte am Dienstag nach dem Mann, der in einem Wald bei Potsdam eine junge Frau vergewaltigt haben soll.Foto: dpa/Julian Stähle

Nach mehreren Vergewaltigungen hat die Polizei Brandenburg am Dienstagabend offenbar den mutmaßlichen Serientäter gefasst. Es handelt sich nach Tagesspiegel-Informationen um einen 30-jährigen Serben. Der Mann soll am Vormittag in einem Wald in Potsdam eine Joggerin vergewaltigt haben. Alarmierte Polizisten fanden den Mann, er flüchtete trotz Warnschüssen. Die Polizei Brandenburg löste eine Großfahndung mit Hubschrauber, Drohne und Spürhunden aus.

Die Ermittler gehen mit größter Sicherheit davon aus, dass es sich um den Serientäter handelt, der für mehrere sexuelle Übergriffe in den vergangenen Wochen verantwortlich ist – fünf in Berlin-Grunewald und je einer im brandenburgischen Bernau und Kleinmachnow. Dort war ebenfalls eine Joggerin vergewaltigt worden.

Erst dadurch wurde wegen eines Serientäters ermittelt. Die Berliner Polizei übernahm den Fall, Brandenburgs Polizei lieferte ein Phantombild und ein Fahndungsfoto aus einer Kamera am Bahnhof Bernau.

Nachdem der Täter am Dienstagnachmittag in einem Waldstück an der Stahnsdorfer Straße in Potsdam eine Frau vergewaltigt hatte, war die Polizei mit einem Großaufgebot im Einsatz und suchte nach dem Mann.

Unmittelbar nach der Vergewaltigung konnte er nicht gestellt werden. In der Nähe des Tatorts sahen Polizisten aber einen Mann auf einem Fahrrad, auf den die Täterbeschreibung sehr gut passte. Als dieser die Polizisten sah, floh er vor ihnen in den Wald und ließ dabei sein Fahrrad zurück.

Die Beamten verfolgten den Mann und forderten ihn auf, anzuhalten. Ein Polizist gab aus seiner Dienstwaffe Warnschüsse in die Luft ab, der Tatverdächtige flüchtete jedoch weiter. Verletzt wurde durch die Schüsse niemand.

Die Beamten setzten auch einen Hubschrauber ein, um den Mann zu finden. Am Abend konnten die Beamten ihn an der Grenze zwischen Brandenburg und Berlin in einer Villengegend in Wannsee festnehmen.

Die junge Frau war im Wald joggen

Wie die Polizei am Dienstagabend angab, hatte eine Passantin am Vormittag eine junge Frau in dem Waldstück zwischen Griebnitzsee und Dreilinden angetroffen, die offensichtlich unter Schock stand und sagte, dass sie gerade vergewaltigt worden sei. Zuvor war sie im Wald joggen. Die Spaziergängerin half der jungen Potsdamerin aus dem Wald heraus, sie wurde daraufhin umgehend medizinisch betreut und in ein Krankenhaus gebracht. 

Nach ersten Erkenntnissen soll die Frau, zu deren Alter die Polizei keine Angaben machen will, zuvor auf einem Waldweg zwischen Babelsberg und Dreilinden gejoggt sein, als sie dort von dem Täter auf Englisch angesprochen und nach dem Weg gefragt wurde. Kurz darauf soll der der Täter sie überwältigt und vergewaltigt haben. Die junge Frau habe sich zur Tat noch nicht äußern können, da sie noch im Krankenhaus ist, so ein Polizeisprecher. 

Der Tatverdächtige am 15. Juni am Bahnhof von Bernau.
Der Tatverdächtige am 15. Juni am Bahnhof von Bernau.Foto: Polizei

Zusammenhang mit mehreren weiteren Fällen

Der Täter wird seit dem 12. Juni für mindestens acht Taten im Süden Berlins, in Kleinmachnow, Bernau und Potsdam verantwortlich gemacht. Bereits vor drei Wochen waren in Berlin drei weitere Fälle registriert worden, die miteinander in Zusammenhang gebracht wurden. Nach Polizeiangaben sei es am 22. Juni im Bereich des Wannsees zu einer Vergewaltigung gekommen. Drei Tage später habe ein Zeuge eine weitere Sexualstraftat im Waldweg in der Nähe des Teufelsbergs gemeldet. Auch bei den Taten in Kleinmachnow, Berlin und Bernau hatte die Polizei angegeben, dass der mutmaßliche Täter englisch mit seinen Opfern gesprochen habe. 

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Der Tatverdächtige soll unter anderem eine junge Frau in einem Waldstück bei Kleinmachnow kurz hinter der Stadtgrenze Berlins überfallen und vergewaltigt haben. Dort soll der Mann die 27-Jährige nahe des Panzerdenkmals in ein Gebüsch gezerrt haben. In einem weiteren Fall soll der Tatverdächtige eine junge Frau in Bernau nordöstlich von Berlin vergewaltigt haben. Die Frau war demnach auf einem unbeleuchteten Geh- und Radweg beim Bahnhof Bernau-Friedenstal angegriffen worden. Die Polizei veröffentlichte anschließend Videos vom Bahnsteig, auf denen der Mann zu sehen sein soll. 

Laut den Ermittlern ist es zudem seit dem 12. Juni im Bereich des Grunewalds zu fünf Vergewaltigungen oder versuchten Vergewaltigungen gekommen, die dem Mann zugerechnet werden.

Aufgrund der sichergestellten Spuren an den Tatorten, gerichtsmedizinischen Untersuchungen sowie übereinstimmender Zeugenaussagen gingen die Ermittler davon aus, dass für die Taten ein Serientäter verantwortlich ist. Die Staatsanwaltschaft Berlin hatte deshalb auch die Ermittlungen zu den Taten in Brandenburg zu dem Berliner Ermittlungskomplex übernommen. Zunächst hatte die Soko „Orange“ der Polizei Berlin in dem Fall ermittelt, auch Polizisten der Bundespolizei unterstützten die Suche. Nun konnte die Brandenburger Polizei den Täter festnehmen.