„Wir stehen erst am Anfang“ : Wie Brandenburg die Schweinepest bekämpfen will

Seit einem dreiviertel Jahr bereitet sich Brandenburg auf den Ernstfall vor. Nach dem Fund eines infizierten Schweins werden jetzt Sperrzonen und Kadaversammelstellen errichtet.

Thorsten Metzner
Nach ersten Fällen in Polen im vergangenen Jahr gab es nun auch in Brandenburg einen ersten Fall von Afrikanischer Schweinepest.
Nach ersten Fällen in Polen im vergangenen Jahr gab es nun auch in Brandenburg einen ersten Fall von Afrikanischer Schweinepest.Foto: imago images/Panthermedia

In Brandenburg läuft jetzt das Krisenmanagement auf Hochtouren, um ein Ausbreiten der Afrikanischen Schweinepest (ASP) zu verhindern, die erstmals in Deutschland bei einem nahe der Stadt Forst in der Lausitz gefundenen Wildschweinkadaver nachgewiesen worden war

„Leider ist eingetreten, was wir befürchtet haben“, sagte Brandenburgs Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne), die am Donnerstag auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in Potsdam die weiteren Schritte bei der Bekämpfung der ASP im Land verkündete. „Wir stehen erst am Anfang“, so Nonnemacher. „Jetzt gilt es, das Ausmaß festzustellen und einzugrenzen, damit die Seuche auf ein möglichst kleines Gebiet begrenzt bleibt.“

Nach ihren Worten wird nun in einem Radius von 15 Kilometern eine Sperrzone eingerichtet, ein sogenanntes „vorläufiges Gefährdungsgebiet“, in dem Restriktionen gelten. 

„So wird ein striktes Jagdverbot für alle Tierarten angeordnet“, sagte Nonnemacher. Damit soll erreicht werden, dass infiziertes Schwarzwild nicht noch aufgeschreckt wird – und sich so die Seuche weiter ausbreitet.

Aus dem gleichen Grund werde etwa ein Ernteverbot für Maisfelder verhängt, so Nonnemacher. Möglich seien weitere vorläufige Nutzungsverbote für land- und forstwirtschaftliche Flächen. Veranstaltungen, bei denen Schweine mitgeführt werden, etwa Hoffeste oder Tierschauen, würden untersagt.

Später werde in diesem Gefährdungsgebiet zudem eine Kernzone um den Fundort des Kadavers ausgewiesen. "Dort wird es ein Betretungsverbot geben", sagte Landestierarzt Stephan Nickisch.

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Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sicherte Landwirten Hilfe zu. "Eines ist ganz klar: dass neben der Seuchenbekämpfung auch die Stabilisierung dieser Betriebe erfolgen muss", sagte er am Donnerstag. Mit der Tierseuchenkasse sei Geld für einen solchen Krisenfall vorhanden. 

"Sollte dieses Geld nicht ausreichend sein, werden wir gemeinsam mit dem Landesbauernverband überlegen, was die Landesregierung tun kann." 

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Der Regierungschef sprach von einer schwierigen Situation. "Das ist eine wirtschaftliche Bedrohung für eine Vielzahl von Betrieben weit über die betroffene Region hinaus", sagte Woidke. Er habe Kollegen aus Polen bei einer Videokonferenz über den Fall informiert.

Wegen der Afrikanischen Schweinepest ist auf Landesebene – im Verbraucherschutzministerium - ein Krisenstab eingerichtet worden. Im Landkreis Spree-Neiße und im Nachbarkreis Oder-Spree seien die lokalen Krisenzentren aktiviert worden, hätten ihre Arbeit aufgenommen, so Nonnemacher. 

Im Landkreis Oder-Spree deshalb, weil der Fundort des Kadavers nahe der Kreisgrenze liege. Der Tierseuchenbekämpfungsdienst des Landes helfe vor Ort, etwa bei der epidemologisch-fachlich sinnvollsten Abgrenzung der Restriktionszonen.

In dem 15-Kilometer-Radius befinden sich etwa 14 landwirtschaftliche Betriebe, die Schweine halten. Ab sofort darf Schweinefleisch – ASP gilt als hochinfektiös selbst bei verarbeitetem Fleisch und Wurst – dieses Gebiet nicht verlassen. Bei den Schweinehaltungsbetrieben in dem Gebiet werde es nun eine Überprüfung geben, so Nonnemacher. 

Brandenburg ist seit einem dreiviertel Jahr vorbereitet

Das Drehbuch des Krisenmanagements in einem solchen Fall ist im Tierseuchenbekämpfungsplan des Landes genau festgelegt. "Es ist keine Situation, wo wir Neuland betreten", betonte Nonnemacher.

Brandenburg hat sich seit einem dreiviertel Jahr auf das Eintreffen der Afrikanischen Schweinepest vorbereitet, nachdem bereits bei einem Fall im polnischen Lebus – festgestellt am 14. November 2019 – das Krisenmanagement angelaufen war. „Seitdem wissen wir, dass wir irgendwann damit rechnen müssen“, sagte Nonnemacher. 

So wurde entlang der brandenburgisch-polnischen Grenze auf einer Länge von 120 Kilometern ein mobiler Weidezaun aufgestellt. Außerdem honorierte das Land mit einer Prämie, wenn Tierkadaver gefunden und abgegeben wurden. 

Die Kadaversuche werde nun intensiviert, Kadaversammelstellen würden eingerichtet, sagte Nonnemacher. Mit der Afrikanischen Schweinepest wird Nonnemacher, die bereits weitestgehend für die Bekämpfung der Corona-Pandemie zuständig ist, in Brandenburgs Kenia-Kabinett nun zur doppelten Krisenmanagerin. (mit dpa)