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Vermisste Rebecca Reusch : Schwager wegen Verdacht des Totschlags in Untersuchungshaft

Der Verdacht gegen den Schwager von Rebecca Reusch hat sich erhärtet. Ein Richter verkündete am Dienstag den Haftbefehl. In dem Fall gingen 348 Hinweise ein.

Alexander Fröhlich
Kriminaltechniker der Berliner Polizei untersuchten am Freitag das Haus der Schwester der verschwundenen 15-jährigen Rebacca.
Kriminaltechniker der Berliner Polizei untersuchten am Freitag das Haus der Schwester der verschwundenen 15-jährigen Rebacca.Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Neue Wendung im Fall der vermissten Rebecca Reusch: Am frühen Montagabend ist der Schwager der seit dem 18. Februar spurlos verschwundenen 15-Jährigen erneut festgenommen worden. Am Dienstagvormittag kam der 27-Jährige in Untersuchungshaft, nachdem ein Richter ihm den Haftbefehl verkündet hatte. Es bestehe dringender Tatverdacht des Totschlags, teilte die Staatsanwaltschaft mit. „Die Ermittlungen der Mordkommission und der Staatsanwaltschaft, insbesondere die Suche nach Rebecca, dauern weiter an“, hieß es weiter.

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Berlin Beschwerde gegen die Freilassung des Schwagers der vermissten Rebecca eingelegt. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass Rebecca nicht mehr am Leben und Opfer eines Tötungsdelikts geworden ist. Laut Polizei hatte daraufhin ein Ermittlungsrichter angesichts der gemeinsamen Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Polizei Berlin – wie beantragt – „Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des Totschlags“ erlassen.

Die Polizei hatte den Schwager bereits am vergangenen Donnerstag festgenommen und stundenlang vernommen. Zugleich hatten Kriminaltechniker am Freitag das gemeinsame Haus des Schwagers und der ältesten Schwester durchsucht. Dennoch musste er am Freitag auf Anordnung eines Richters freigelassen werden. Der Richter hatte am Freitag den Antrag der Staatsanwaltschaft auf Untersuchungshaft wegen des Verdachts auf Totschlag abgelehnt.

Ein Haftbefehl kann von Richtern nur angeordnet werden, wenn ein sogenannter dringender Tatverdacht vorliegt. Der pure Tatverdacht reicht nicht aus. Dem Vernehmen nach konnten die Ermittler der Mordkommission nun konkrete Beweis und Anhaltspunkte vorlegen als noch Ende vergangener Woche. 

Gefundene Spuren müssen ausgewertet werden

Laut einem bislang von Staatsanwaltschaft und Polizei nicht bestätigten „Bild“-Bericht sollen die Ermittler der Mordkommission im Auto des Mannes weitere Spuren gefunden haben. Im Kofferraum sollen Haare von Rebecca sowie Faserspuren einer Decke entdeckt worden sein, mit der Rebecca am Morgen des 18. Februar aus dem Haus des Schwagers und der ältesten Schwester des 15-jährigen Mädchens verschwunden war.

Es soll um eine lilafarbene Decke gehen, die Familie habe angegeben, dass auch die Decke aus dem Haus verschwunden sein soll. Das Verschwinden der Decke und die nun gefundenen Faserspuren dürften von den Ermittlern als klares Indiz beim Haftrichter vorgetragen worden sein, wie es aus Polizeikreisen heißt.

Nun müssten die Ermittler den Verdacht weiter erhärten, denn insbesondere DNA- oder Faserspuren sind problematisch. Es muss ausgeschlossen werden, dass die Haare und Faserspuren nicht nur durch normale familiäre Umstände in den Kofferraum gelangt sind, etwa weil Rebecca ohnehin mit ihrer ältesten Schwester mitgefahren und ihre Sachen in den Kofferraum gepackt hat. Als weiteres Indiz gegen den Schwager gelten Widersprüche in den Angaben des Schwagers zu den zeitlichen Abläufen in seinem Haus am Morgen des 18. Februar sowie die Faktenlage zu seiner Handynutzung an diesem Tag.

Am 18. Februar hätte Rebecca um 9.50 Uhr in ihrer Schule sein müssen

Die Polizei hält ihn wegen Widersprüchen in seinen Aussagen und neuer Erkenntnisse für tatverdächtig. Der Mann war im Haus, als Rebecca, nach einem Wochenende bei ihrer Schwester, am Morgen des 18. Februar das Haus verlassen hatte.

Das Haus war der letzte bekannte Aufenthaltsort der 15-Jährigen, sie hatte bei ihrer Schwester und dem Schwager das Wochenende verbracht, bevor sie am 18. Februar spurlos verschwand. Um 9.50 Uhr hätte sie in ihrer Schule in der Fritz-Erler-Allee ankommen sollen – seither wird sie vermisst.

Der Schwager hatte sich mit seinen Aussagen in Widersprüche verstrickt

Der Schwager hatte bislang angegeben, nach einer Feier morgens kurz vor 6 Uhr nach Hause gekommen zu sein und um 8.30 Uhr bemerkt zu haben, dass Rebecca nicht mehr da war. Es kursiert auch eine andere Angabe von ihm, wonach er um kurz nach 7 Uhr nach Rebecca geschaut habe, sie jedoch nicht mehr angetroffen habe.

Unbestätigten Berichten zufolge soll Rebeccas Handy aber von 6 bis 8 Uhr im WLAN-Router eingeloggt gewesen sein – über Whatsapp sollen an ihr Handy auch noch Nachrichten geschrieben worden sein.

Die Ermittler hatten in der vergangenen Woche versucht, den Mann anhand der Widersprüche, in die er sich verstrickt hat, zu überführen. Dem Haftrichter reichten die  Erkenntnisse bis dahin nicht aus. Nun hat sich für die Mordkommission das Blatt in diesem Fall gewendet.

Am Abend meldete sich auch eine ältere Schwester Rebeccas. Die Schwester hatte über Instagram mehrfach zu privaten Suchaktionen aufgerufen, an denen sich Anwohner in Britz beteiligt hatten. Zudem hatte sie um Hinweise zum Verbleib der 15-jährigen Rebecca gebeten. Am Montagabend erklärte sie nach der Festnahme des Schwagers via Instagram: „Becci, Gott beschütze Dich, wo auch immer Du bist. Wir finden Dich und der Schuldige für diese Odyssee wird gefunden. Mein Postfach wird hiermit geschlossen. Alle Hinweise bitte direkt an die 3. Mordkommission.“

Gefundene Frauenleiche im Nordhafen wohl nicht Rebecca

Am Montagmittag wurde eine tote Person aus dem Berliner Nordhafen, nahe der Fennbrücke im Ortsteil Moabit geborgen. Eine Sprecherin der Berliner Polizei teilte mit, dass es sich bei der gefundenen Person mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Frau handele. Und: "Es handelt sich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht um die Vermisste Rebecca Reusch." Endgültige Gewissheit soll eine Obduktion der Leiche ergeben.

Bislang seien sie Todesumstände noch unklar, ob die Frau Opfer eines Verbrechens wurde oder ihren Tod selbst wählte, sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

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