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Tesla-Coup mit Giga Berlin : Neue Technologie soll Wasserverbrauch minimieren

Das Elektroautowerk im brandenburgischen Grünheide soll trotz zusätzlicher Batteriefabrik nicht mehr Wasser verbrauchen. Dank neuer Technik.

Thorsten Metzner
Das künftige Tesla-Werk in Grünheide. 
Das künftige Tesla-Werk in Grünheide. Foto: Patrick Pleul/dpa

Paukenschlag um Teslas Gigafactory in Deutschland, beim Wasserverbrauch, dem Reizthema: Das Elektroautowerk, das der US-Konzern nahe Berlin im brandenburgischen Grünheide errichtet, wird nach Tagesspiegel-Informationen aufgrund von überarbeiteten Tesla-Planungen weniger Wasser verbrauchen, als Umweltverbände befürchten.

Obwohl die Gigafactory Berlin-Brandenburg mit einer geplanten Jahresproduktion von 500.000 Teslas der Y-Modellreihe kurzfristig um die von Elon Musk angekündigte größte Batteriezellenfabrik der Welt erweitert wird, soll sich der Wasserverbrauch der kombinierten Gigafabrik nicht erhöhen. Dabei hatten manche ein Horrorszenario befürchtet. 

Wie der Tagesspiegel erfuhr, ist in dem jetzt fertigen, aktualisierten Tesla-Antrag im laufenden Hauptgenehmigungsverfahren für die erste Ausbaustufe von Giga Berlin weiterhin ein maximaler Jahreswasserverbrauch von 1,423 Millionen Kubikmetern für die dann kombinierte E-Automobil- und Batteriezellenfabrik vorgesehen – so viel wie bisher allein für das E-Autowerk.
Dieser neue Tesla-Genehmigungsantrag, auf den dann die mittlerweile dritte öffentliche Auslegung folgt, soll dem Vernehmen nach noch diese Woche beim Landesumweltamt Brandenburg eingereicht werden. Und nach Tagesspiegel-Informationen setzt Tesla trotz des engen Zeitplan fest darauf, dass noch 2021 die ersten Elektrofahrzeuge in „Giga Berlin“ vom Band rollen, nachdem es mit dem angepeilten Juli-Start nichts wurde. Ende 2021 hat Musk auch bei seinem jüngsten Besuch als Ziel genannt. Von Grünheide aus, der vierten Tesla-Gigafactory, will der Konzern den gesamten europäischen Kontinent beliefern.

Wasserverbrauch bleibt trotz Batteriefabrik bei 1,4 Millionen Kubikmetern
Tesla, derzeit mit einem höheren Börsenwert als alle deutschen Automobilhersteller zusammen, gilt als innovativstes Autounternehmen der Welt. In den letzten Monaten haben die Ingenieure unter Hochdruck das scheinbar Unmögliche versucht und wohl geschafft – die Integration der Batteriefabrik in das Projekt ohne höheren Wasserverbrauch.

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Hintergrund sind auch Befürchtungen von Umweltverbänden, Bürgerinitiativen und des örtlichen Wasserversorgers Strausberg-Erkner (WSE), die vor nicht ausreichendem Wasser in der Region warnen. Wegen der Wasserproblematik bereiten Umweltverbände eine Klage vor. Die geplante Batteriefabrik hat die Sorgen verstärkt, dass schon kurzfristig viel mehr Wasser benötigt wird. Die Lieferung der 1,42 Millionen Kubikmeter pro Jahr für die erste Ausbaustufe, bei denen es nun bleiben soll, ist aber bereits geklärt und gesichert. 

Elon Musk bei seinem Besuch im Mai auf der Großbaustelle.
Elon Musk bei seinem Besuch im Mai auf der Großbaustelle.Foto: Christophe Gateau


Der WSE hat für diese Liefermenge 2020 mit Tesla einen Vertrag abgeschlossen, was nun für die kombinierte Auto-Batteriezellenfabrik reichen würde. Im allerersten Antrag nach dem Start des Milliardenprojektes, das Elon Musk im November 2019 bekannt gab, hatte Tesla sogar noch mit einem maximalen Jahresverbrauch von 3,3 Millionen Kubikmetern kalkuliert. Im Zuge der zweiten Auslegung 2020 war das durch Veränderungen in der Konfiguration der Fabrik und von Prozessen auf 1,42 Millionen Kubikmeter gesenkt worden.

Tesla will  in Grünheide Batteriezellen einer neuen Generation bauen 
Traditionelle Batteriefabriken sind für extrem hohen Wasserverbrauch bekannt. Dass dies durchbrochen werden könne, habe zum einen mit der neuen Technologie der Tesla-Batteriezellen zu tun, die Teil der Karosserie seien und in einem „Trockenverfahren“ hergestellt werden sollen, heißt es. Um den Wasserverbrauch so gering wie möglich zu halten, sei zudem auch das Autowerk weiter technologisch verbessert worden. 

Bislang errichtet Tesla die Gigafactory auf dem 300-Hektar-Areal am östlichen Berliner Ring auf Grundlage von mittlerweile 15 Vorab-Erlaubnissen der Behörden auf eigenes Risiko, müsste im Falle einer Nichtgenehmigung alles wieder abreißen. 

Zuletzt hatte das Landesumweltamt die Installation weiterer Schornsteine und Innenarbeiten im 24-Stunden-Betrieb erlaubt. Das Werk ist weitgehend fertig. Tesla hat inzwischen eine weitere Vorabzulassung für den Probebetrieb in der Lackiererei beantragt. Umweltverbände lehnen das unter Verweis auf ein Störfall-Gutachten, das Mängel im Störfallkonzept Teslas offenbart hatte, strikt ab. Nach Einschätzung des Landesumweltamtes sind die Mängel behebbar und ändern nichts an der grundsätzlichen Genehmigungsfähigkeit der Gigafactory. Der Probebetrieb in der Lackiererei dürfte in Kürze erlaubt werden.