Nach Tod bei Querdenker-Demo in Wandlitz : In Extremo-Musiker litt an Herzmuskelentzündung

Querdenker und Rechtsextreme unkten über ein Todesopfer in der Impfdiktatur. Doch der Musiker Boris Pfeiffer erlitt wohl einen Herzinfarkt.

Alexander Fröhlich
Boris Pfeiffer beim Musikfestival «Rock im Park» auf der Bühne.
Boris Pfeiffer beim Musikfestival «Rock im Park» auf der Bühne.Foto: picture alliance / dpa

Nach dem Tod des Musikers Boris „Yellow“ Pfeiffer am Rande einer Corona-Demonstration am Montagabend im brandenburgischen Wandlitz steht nun das Ergebnis der Obduktion fest. Wie die Polizei Brandenburg am Donnerstag mitteilte, starb Pfeiffer an einer natürlichen Todesursache.

Nach Tagesspiegel-Informationen litt das 53-jährige ehemalige Mitglied der Mittelalterrockband In Extremo an einer Herzmuskelentzündung. Wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) der „B.Z.“ erklärte, starb Pfeiffer an einem „rezidivierenden Herzmuskelinfarkt“. Demnach hat der Mann also nicht den ersten Herzinfarkt erlitten.

Pfeiffer hatte bei einer nicht angemeldeten Versammlung von Querdenkern in Wandlitz versucht, eine Polizeikette zu durchbrechen. Durch „Einsatz einfacher körperlicher Gewalt“ und „Wegdrücken“ sei der Mann daran gehindert worden, teilte die Polizei mit. Die Beamten nahmen dann Personalien auf – wegen des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und für ein Ordnungswidrigkeitenverfahren, weil Pfeiffer sich „nicht unverzüglich von einer aufgelösten Versammlung entfernt hat“.

Als er danach zu seinem Auto ging, brach Pfeiffer zusammen, trotz schneller Rettungsmaßnahmen durch Polizisten verstarb er später im Krankenhaus. Wie die „B.Z.“ berichtet, soll laut Polizeiprotokoll bei dem Musiker „ein hoher CO2-Wert und ein niedriger Sauerstoffwert“ festgestellt worden sein, was „für eine Covid-Erkrankung sprechen könnte“. 

„In Bewertung aller bislang dem Polizeipräsidium berichteten Erkenntnisse ist durch die Polizei keine unverhältnismäßige Gewalt eingesetzt worden“, erklärte das Polizeipräsidium. Eine Strafanzeige gegen die Polizei werde vom Fachkommissariat Amtsdelikte des Landeskriminalamtes (LKA) bearbeitet.

Pfeiffer bereits seit Mai kein In Extremo-Mitglied mehr

Pfeiffer, der Dudelsack und Drehleier spielte, war bereits im Mai aus der Band In Extremo ausgeschieden. Damals hatte die Band mitgeteilt, dass eine weitere Zusammenarbeit mit ihm nicht mehr vorstellbar sei. Lebensumstände, Sichtweisen und Prioritäten hätten sich geändert. Nachdem es bis dahin gelungen sei, einen Weg zu finden, mit dem alle leben konnten, sei das diesmal nicht mehr gelungen. „Wir konnten keinen Konsens finden“, erklärte die Band. Pfeiffer habe sich dazu entschlossen „andere Wege zu gehen“.

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In der Musikszene ist es ein offenes Geheimnis, dass Boris Pfeiffer die Band verlassen musste, weil er Impfgegner geworden sei und Verschwörungstheorien vertreten haben soll. Gerade für Bands, die trotz der Umstände weiter Konzerte geben wollen, seien solche Musiker ein Problem, hieß es. Der Fall hat in den sozialen Netzwerken Kreise gezogen – und gab in der Szene der Corona-Leugner Anlass zu Spekulationen und Falschmeldungen rund um die Todesumstände des 53-Jährigen.

Der Verstorbene soll nach Informationen einer Augenzeugin aus der Telegram-Gruppe „Wandlitz steht auf“ im Ortsteil Stolzenhagen gewohnt haben und Mitglied der „Basis“-Partei gewesen sein. Die Band In Extremo hatte ihre Anfänge Mitte der 90er Jahre und ist unter Fans von Metal und Mittelaltermusik sehr bekannt. Sie mischt mittelalterliche Jahrmarktmusik mit hartem Rock und Metal, sie feierte Erfolge in den Charts und mit internationalen Touren.