Update

Nach Corona-Ausbruch : Zahl korrigiert – elf Tote in Brandenburger Seniorenheim statt 14

In einem Seniorenheim am Werbellinsee hat es einen Corona-Ausbruch gegeben. Nachdem zunächst von 14 Toten die Rede war, wurde die Zahl nach unten korrigiert.

Ein Seniorenheim (Symbolbild).
Ein Seniorenheim (Symbolbild).Foto: dpa/Jonas Güttler

Nach dem Corona-Ausbruch in einem Seniorenheim in Schorfheide am Werbellinsee sind elf Menschen gestorben. Das teilte der Landkreis Barnim am Dienstag mit. Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) hatte am Montagabend in der RBB-Sendung „Brandenburg Aktuell“ noch von 14 Toten gesprochen. Wie es zu dem Missverständnis kam, blieb zunächst offen.

Zudem seien 44 Bewohner und 15 Mitarbeitende der Einrichtung im Ortsteil Altenhof an Covid-19 erkrankt, berichtete Landkreissprecher Robert Bachmann der dpa.

Die betroffenen Heimbewohner seien alle über 80 Jahre alt gewesen und hätten Vorerkrankungen gehabt. Seinen Angaben zufolge liege laut Amtsärztin Heike Zander die Impfquote der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Einrichtung bei lediglich etwa 50 Prozent.

Angesichts einer zunehmenden Zahl von Toten nach Corona-Ausbrüchen in Seniorenheimen, darunter auch in der brandenburgischen Gemeinde Schorfheide, fordert die Leiterin der Berliner Beratungsstelle „Pflege in Not“, Gabriele Tammen-Parr, eine berufsbezogene Impfpflicht für Mitarbeiter von stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen sowie von Krankenhäusern.

„Jede Pflegekraft entscheidet durch ihr Verhalten mit über Leben und Tod von Menschen, die sich nicht mehr selbst schützen können“, sagte sie dem Tagesspiegel: „Natürlich ist die Selbstbestimmung über den eigenen Körper ein hohes Gut. Aber wenn dadurch andere Menschen sterben müssen, ist der Preis zu hoch. In einer extremen gesellschaftlichen Krisensituation wie der Corona-Pandemie kann es notwendig sein, Rechte für eine bestimmte Zeit einzuschränken.“ Tammen-Parr zeigte sich erschüttert über den jüngsten Corona- Ausbruch in einem Seniorenheim am Werbellinsee.

Nur die Hälfte des Personals geimpft

Empörung löste die Tatsache aus, dass nach Angaben der zuständigen Amtsärztin nur etwa die Hälfte des in der Einrichtung beschäftigten Personals gegen Corona geimpft war (der Tagesspiegel berichtete). Die Ärztin hatte Medienberichten zufolge dabei auch gesagt, sie sei „sehr unglücklich darüber, dass Impfungen für Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen weiterhin freiwillig seien“. Vom Träger des Heims hieß es, man könne nicht mehr tun, als die Beschäftigten regelmäßig über Impfangebote zu informieren. Letztlich bleibe es aber deren freiwillige Entscheidung, ob sie sich impfen ließen oder nicht.

Dass gerade hochbetagte Menschen gefährdet sind, obwohl sie wie offensichtlich auch im Heim am Werbellinsee bereits zweimal geimpft wurden, liegt daran, dass diese Impfung meist schon im Januar und Februar erfolgte. Virologen weisen aber schon seit Monaten darauf hin, dass die Wirkung gerade bei älteren Menschen nachlässt und empfehlen für sie eine dritte Auffrischungsimpfung nach etwa sechs Monaten. Offenbar hatten die Erkrankten und Verstorbenen diese dritte Impfung noch nicht erhalten.

Obwohl nach den vielen Todesfällen in Pflegeheimen im vergangenen Winter alle politisch Verantwortlichen beteuert hatten, dass so etwas nie wieder passieren dürfe, kommt es derzeit überall in Deutschland zu neuen Ausbrüchen. So starben kürzlich allein in einem Heim in Bad Doberan 14 ältere Menschen. Auch hier war nur etwa ein Viertel der Beschäftigten gegen Corona geimpft.

Impfpflicht nicht schnell umsetzbar

Die Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Stefanie Drese (SPD), forderte deshalb in der vergangenen Woche eine Impfpflicht für Beschäftigte der Pflegebranche. Diese müsse bundesweit im Infektionsschutzgesetz geregelt werden. Allerdings sei das wegen juristischer Schwierigkeiten nicht schnell umsetzbar.

Gabriele-Tammen Parr verweist auf eine weitere Ursache dafür, dass die Politik so zögerlich mit einer Impfpflicht für relevante Berufsgruppen umgeht. „Wir haben trotz aller Bemühungen einen massiven Pflegenotstand. Offenbar wird befürchtet, dass ein Teil des knappen Personals bei einer Impfpflicht in andere Branchen wechselt.“ Das könne zwar passieren, sagt Tammen-Parr, aber die derzeitigen Ausbrüche seien so bedrohlich, dass man dies in Kauf nehmen müsse.

Sollte es juristisch nicht möglich sein, eine berufsbezogene Impfpflicht einzuführen, müsse man „ethisch-moralisch für das freiwillige Sich-Impfen-Lassen werben“, sagt Tammen-Parr: „Wir von der Beratungsstelle Pflege in Not können die Beschäftigten, die ja meist engagiert und aufopferungsvoll die ihnen anvertrauten Menschen betreuen, nur inständig bitten, sich impfen zu lassen.“ Das tun inzwischen auch viele Ärzte, die mit den Folgen der Impf-Verweigerer im Pflegebereich konfrontiert sind.

[Wenn Sie alle aktuellen Entwicklungen zur Coronavirus-Pandemie live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Der Brandenburger Virologe Frank Hufert sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass Menschen, die Hochrisikogruppen wie etwa Senioren betreuen, verpflichtet werden sollten, sich impfen zu lassen.Während Ausbrüche in Seniorenheimen zumindest noch öffentlich werden, kennt niemand die Zahl jener Menschen, die sich bei ungeimpften Mitarbeitern ambulanter Dienste, die ja oft mehrere Haushalte oder beispielsweise Berliner Demenz-WGs betreuen, anstecken.

Leiter von Pflegediensten und Seniorenheimen beklagen, dass sie außer Appellen keine Handhabe hätten, ihre Mitarbeiter zur Impfung zu zwingen. Auch was die vorgeschriebenen Masken oder empfohlenen Tests anbelange, sei man derzeit abhängig von der Ehrlichkeit der Pflegekräfte. Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Grüne) will deshalb strengere Hygienekonzepte prüfen. Sie forderte zugleich tägliche Tests für ungeimpftes Personal.

Allerdings gibt es inzwischen auch Fälle, in denen Angehörige von Verstorbenen eine Klage gegen Pflegepersonal etwa wegen Körperverletzung mit Todesfolge prüfen. Juristen verweisen aber darauf, dass dies nur dann Aussicht auf Erfolg habe, wenn zweifelsfrei feststehe, wer der Auslöser der Infektion war. (Tsp, dpa)