Missbrauchsvorwürfe in Potsdam : Zentralrat der Juden geht auf Distanz zu Walter Homolka

Zentralrats-Präsident Schuster will eine eigene Untersuchung zu den Vorfällen um den Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs beauftragen.

Rabbiner Walter Homolka
Rabbiner Walter HomolkaFoto: Andreas Klaer

Der Zentralrat der Juden wird eine eigene Untersuchung zu den Missbrauchsvorwürfen am Potsdamer Abraham-Geiger-Kolleg einleiten. Das gab dessen Präsident Josef Schuster am Dienstag bekannt. „Es geht nicht nur um eine strafrechtliche Dimension der Taten, sondern auch um das moralische Verhalten von Führungspersönlichkeiten und Mitarbeitern in jüdischen Einrichtungen sowie den Schutz und die Rechte der Betroffenen.“

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Schuster ging auf Distanz zum Rektor des Kollegs, Rabbiner Walter Homolka. „Einem mit Vorwürfen Konfrontierten muss stets eine faire Chance gegeben werden, sich zu verteidigen“, sagte Schuster. „Sollten sich die Vorwürfe jedoch als berechtigt erweisen, wäre ein Verbleib in den bisherigen Ämtern und Positionen und in Zukunft auch an anderen verantwortungsvollen Stellen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland ausgeschlossen.“

Am Wochenende hatte die „Die Welt“ schwere Vorwürfe gegen Homolka und seinen Ehemann, der zeitweise am Kolleg unterrichtete, erhoben. Letzterer soll einem Studenten unter anderem ein Foto seines erigierten Penis geschickt haben. Homolka wird vorgeworfen, seine Stellung missbraucht zu haben, um seinen Ehemann zu schützen.

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Zudem soll er am Kolleg ein „Klima der Angst“ erzeugt und seine Führungspositionen in zahlreichen Gremien des liberalen Judentums ausgenutzt haben, um Konkurrenten zu unterdrücken. Homolka hatte am Freitag erklärt, seine Ämter vorläufig ruhen zu lassen.

Das Abraham-Geiger-Kolleg wird derzeit von Rabbiner Edward van Voolen und Kanzlerin Anne-Margarete Brenker geleitet. Sie erklärten am Montag, dass ihnen bis zur Veröffentlichung in der „Welt“ zwei Fälle sexueller Belästigung durch Homolkas Gatten bekannt wurden. Ihm sei daraufhin gekündigt worden.

Man werde den neuen Vorwürfen nun unverzüglich nachgehen. Die Universität Potsdam hatte bereits am Freitag erklärt, dass bereits seit einiger Zeit eine sechsköpfige Untersuchungskommission die Vorwürfe bearbeite.