Markt vorübergehend geschlossen : Corona-Tests für alle Markthändler in Slubice

Bereits am Freitag war eine Standbetreiberin schwer erkrankt, die polnischen Behörden reagierten allerdings erst jetzt.

Sandra Dassler
Die Behörden in Slubice testen die Marktverkäufer auf Corona.
Die Behörden in Slubice testen die Marktverkäufer auf Corona.Foto: imago images/Volker Hohlfeld

Slubice/Frankfurt (Oder) - „Ich finde das zunächst einmal ganz verantwortungsbewusst von den polnischen Behörden“, sagt Thea K., die ihren vollständigen Namen nicht nennen möchte. Sie wohnt in Frankfurt (Oder) und kauft normalerweise einmal in der Woche frische Lebensmittel bei „ihrem“ Händler auf dem großen Einkaufsmarkt in Slubice ein. Dazu muss sie nur über die Oder fahren, viele andere Deutsche, so erzählt sie, kämen aber von weiter her – unter anderem auch aus Berlin.

Schon am Dienstag hatte es bei vielen von ihnen lange Gesichter gegeben, denn der große Basar in der Nähe des Stadiums war geschlossen.

Am Mittwoch musste auch der kleine Einkaufsmarkt „Unter den Eichen“ dichtmachen und am Donnerstag der ebenfalls kleinere Markt in der Nähe eines Discounters.

Als Grund für die Schließung teilte die Stadtverwaltung Slubice mit, dass man die Händler aller drei Basare auf eine eventuelle Infektion mit dem Coronavirus überprüfen wolle. Dazu stelle man entsprechende Testkapazitäten in der Eissporthalle am Golfplatz bereit. Nur wer negativ getestet werde, dürfe sein Geschäft auf dem Basar wieder öffnen. Da die Ergebnisse bereits spätestens nach drei Tagen vorliegen sollen, könnte das also noch am kommenden Wochenende sein.

„Das ist doch richtig, dass die erstmal die Basare schließen und testen“, sagt Thea K.: „Sie hätten ja auch einfach weiter machen können. Immerhin betrifft das Hunderte von Händlern, die auch der Stadt Slubice seit vielen Jahren Einnahmen bescheren.“ Deshalb kann sie über Kritik an der vorübergehenden Schließung der Märkte nur den Kopf schütteln.

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Aber während die einen diese Maßnahme für übertrieben halten, werfen andere den polnischen Behörden vor, zu spät gehandelt zu haben. Immerhin sei bereits am Freitag vergangener Woche bekannt geworden, dass eine aus Bulgarien stammende Markthändlerin wegen schwerer Krankheitssymptome im Krankenhaus Slubice behandelt werden musste.

Ob sie sich selbst auf dem Basar oder – wie manche vermuten – auf einer Hochzeitsfeier in einer anderen Stadt angesteckt hatte, ist auch heute noch unklar. Am Sonntag waren aber noch weitere Markthändler positiv getestet worden – die einen sprechen von fünf, andere von acht Infizierten. Die Betroffenen befinden sich nach Behördenangaben in Quarantäne. Die Stadtverwaltung Slubice hatte am Montag die Schließung der Märkte und die Tests für alle Händler angeordnet und auch die deutsche Seite informiert.

Polen erwägt keine neuen Grenzschließungen

„Wir stehen in intensiven und permanenten Kontakt zu unseren polnischen Kollegen“, sagte der Sprecher der Stadt Frankfurt (Oder), Uwe Meier, am Mittwoch dem Tagesspiegel: „Wir sind ja eigentlich eine Stadt – auf jeden Fall aber ein Verflechtungsraum. Das heißt, es gibt sehr viele deutsch-polnische Lebens- oder Arbeitspartnerschaften, mehr als tausend Slubicer, die in Frankfurt wohnen und sehr viele Menschen, die täglich pendeln. Bislang haben wir den Covid-19-Ausbruch an einem Ort, aber betroffen sind wir alle.“

Auch Frankfurt (Oder) habe gerade seit vielen Wochen wieder einen aktuellen Corona-Fall, der allerdings in keinerlei Zusammenhang mit dem polnischen Basar stehe, sagte der Sprecher. Er wies auch Gerüchte zurück, wonach angesichts steigender Infektionszahlen auch in Polen eine erneute Grenzschließung nicht ausgeschlossen werden könne. Erst im Juni waren sich die Bürgermeister von Slubice und Frankfurt nach 90 Tagen Grenzschließung vor vielen Fernsehkameras in die Arme gefallen

Woidke hält die eingeleiteten Schritte zur Testung für richtig

„Wir und auch unsere polnischen Partner wissen nichts von einer erneuten Grenzschließung“, sagte Meier: „Ich glaube, dass Polen einen ähnlichen Weg geht wie Deutschland und die Ausbrüche lokal bekämpft“.

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Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), der am Mittwoch Frankfurt (Oder) besuchte, um sich ein Bild von der Situation in der Grenzregion zu machen, sagte danach dem Tagesspiegel: „Ich bin klar gegen Grenzschließungen und -kontrollen. Jeder muss in seiner Region die Pandemie bekämpfen. Es war deshalb sicher richtig, den Markt in Slubice vorübergehend zu schließen und Händler zu testen.“

Keine generelle Warnung vor Marktbesuchen

Eine generelle Warnung vor Besuchen der Märkte in Polen, wollen die brandenburgischen Behörden nicht aussprechen. "Wir appellieren ja immer an das Verantwortungsbewusstsein unserer Bürger und die Einhaltung der Regeln" sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Auch Tests von polnischen Händlern, die auf deutschen Märkten ihre Waren verkaufen, sind ohne Anlass nicht geplant, wie die Verantwortlichen der Landkreise und kreisfreien Städte auf Tagesspiegel-Anfrage mitteilten. "Mal abgesehen davon, dass es eine Stigmatisierung wäre, nur polnische Händler zu testen, gibt es dafür auch keine rechtliche Grundlage", sagt etwa der Sprecher der Stadt Cottbus, Jan Gloßmann.