Grausiger Fund im Havelland : Lebende Ferkel in Mülltonne von Schlachtbetrieb gefunden

Jugendliche in Milower Land haben drei lebende kleine Schweine in einer Kadavertonne von der Fläminger Tiergut GmbH gefunden. Leider überlebte keins.

Symbolbild: Leider hat von den Schweinchen in der Mülltonne keins überlebt.
Symbolbild: Leider hat von den Schweinchen in der Mülltonne keins überlebt.Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Es war ein schrecklicher Fund. „Wir haben so etwas Lebendiges gehört, so ein Atmen und Quieken“, erzählt eine Jugendliche aus Bützer, einem Ortsteil der Gemeinde Milower Land bei Rathenow im Havelland. Die seltsamen Geräusche, die sie und andere am vergangenen Sonntag stutzig machten, kamen aus zwei an der Straße abgestellten Containern einer örtlichen Schweinemastanlage. Darin befanden sich viele tote Ferkel, aber auch mehrere Tiere, die noch lebten.

Die herbeigerufenen Polizisten verständigten das Veterinäramt des Landkreises Havelland. Die diensthabende Tierärztin stellte fest, dass die beiden sogenannten Kadavertonnen von der Fläminger Tiergut GmbH außerhalb des Betriebsgeländes zur Abholung durch ein Entsorgungsunternehmen bereit gestellt worden waren. „Drei der mehr als 30 Schweine, die sich in den Tonnen befanden, konnten dank des schnellen Reagierens von Bürgern und dem beherzten Eingreifen der Feuerwehr lebend geborgen werden“, heißt es in einer Mitteilung des Landkreises.

Allerdings stellte sich heraus, dass eines der kleinen Schweinchen schwer verletzt und bereits so schwach war, dass es von einem hinzugezogenen Jäger von seinen Qualen erlöst werden musste. Die beiden anderen Ferkel wurden laut Kreisverwaltung in den Betrieb zurückgebracht, wo sie allerdings aus seuchenhygienischen Gründen – in Brandenburg grassiert immer noch die Afrikanische Schweinepest – ebenfalls getötet werden mussten.

Noch am Sonntag nahm die Polizei die Personalien eines Verantwortlichen des Betriebs und mehrerer anwesender Mitarbeiter auf und leitete ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ein. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen übernommen, viele Anwohner sind entsetzt. Die Fläminger Tiergut GmbH hat ihren Hauptsitz in Bad Belzig, im Ortsteil Schwanebeck. Dort werden ausschließlich Sauen gehalten, in der Außenstelle in Bützer hingegen Ferkel für die Weitermast im In- und Ausland.

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Mehr als 20.000 kleine Schweine befinden sich durchschnittlich in der Anlage. Bei einer solchen Größenordnung gehört es „leider zum Alltag in diesen Betrieben, dass Tiere vereinzelt an verschiedenen Krankheiten verenden“, erklärte das Landratsamt. Das Veterinäramt prüfe jetzt, warum sich so viele Kadaver in den Tonnen befanden, warum einige der Ferkel noch lebten und warum die Kadavertonnen außerhalb des Betriebsgeländes standen.

Da hier eindeutig gegen das Tierschutzgesetz verstoßen und die Fürsorgepflicht für der Tiere vernachlässigt worden sei, habe der Landkreis bereits ein Bußgeldverfahren gegen den Betrieb eingeleitet. Ob er das Verfahren an die Staatsanwaltschaft abgeben wird, werde nach den weiteren Ermittlung des Veterinäramtes entschieden.

Die Behörde hatte auch früher schon bei den üblichen Kontrollen hin und wieder bauliche und technische Mängel in der Anlage festgestellt und Auflagen erteilt, die auch umgesetzt wurden. Für den Tagesspiegel war am Dienstag kein Verantwortlicher der Fläminger Tiergut GmbH zu sprechen.