„Es ist keine kleine Delle“ : Finanzkrise überschattet BER-Eröffnung

Der Flughafen ist mehr als doppelt so teuer und acht Jahre zu spät. Durch Corona wird alles schlimmer. Die Flughafengesellschaft braucht bis zu 1,5 Milliarden.

Thorsten Metzner
Die Flughafengesellschaft braucht bis zu 1,5 Milliarden Euro.
Die Flughafengesellschaft braucht bis zu 1,5 Milliarden Euro.Foto: Patrick Pleul/dpa

Erst das BER-Debakel, nun die Einbrüche wegen der Corona-Pandemie: Die dramatische Finanzlage der Flughafengesellschaft Berlins, Brandenburgs und des Bundes (FBB) beschäftigte am Freitag den FBB-Aufsichtsrat. Die Gesellschaft schreibt tiefrote Zahlen, weil der Airport ein Jahrzehnt später fertig wird als geplant – und mehr als doppelt so teuren wird.

„Es ist keine kleine Delle. Wir sind in einer großen Krise“, sagte Chefmanager Engelbert Lütke Daldrup in Schönefeld nach der vorletzten Sitzung des Gremiums vor der BER-Inbetriebnahme am 31. Oktober 2020. Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider sprach von einer „sehr ernsten Situation.“

Die FBB werde das Ziel, ab 2024/2025 schwarze Zahlen zu schreiben, ohne Kredite und Hilfen der Gesellschafter auszukommen, nun nicht mehr erreichen.

Danach stellt sich der drittgrößte Airport Deutschlands auf eine längere Durststrecke ein, ehe – vielleicht – frühere Passagierzahlen erreicht werden. Die Corona-Krise hat dazu geführt, dass Berlin von den letzten Rekordwerten weit entfernt ist. Dabei war die Hauptstadt in den letzten Jahren beim Passagierwachstum Spitzenreiter in Deutschland.

2019 waren an den Alt–Airports Tegel und Schönefeld 35,6 Millionen Passagiere abgefertigt worden, in diesem Jahr werden es laut Lütke Daldrup insgesamt etwa zehn Millionen werden. Andere deutsche Airports, die wie der Fraport oder München Interkontinentalverkehr abwickeln, hat es aber noch härter getroffen.

Der Flugverkehr liegt bei 30 Prozent

Die Hoffnung von Airlines, Airports oder auch der Deutschen Flugsicherung noch vor wenigen Wochen, dass der Luftverkehr in Europa und in Deutschland Ende 2020 etwa 75 Prozent des Vorkrisenniveaus erreichen könnte, hat sich zerschlagen. Aktuell liegt man in Berlin etwa bei 30 Prozent, „doch sei es eine Erholung, die auf wackligen Füßen steht“, sagte Lütke Daldrup. 

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Er erwartet für den Herbst leicht rückläufige Zahlen und hält auch 2021 nur etwa 50 Prozent der früheren Passagierzahlen des Jahres 2019 in Berlin für wahrscheinlich hält.

Die Folge: Das alles reißt noch tiefere Löcher in die Kassen der hochverschuldeten FBB, die schon vor der Coronakrise wegen des BER-Projektes kaum noch kreditwürdig war und offiziell bei den staatlichen Eignern einen Zuschussbedarf von 792 Millionen Euro angekündigt hatte.

Die FBB braucht bis zu 1,5 Milliarden Euro

Nun werden es nach Tagesspiegel-Recherchen wohl 1,3 bis 1,5 Milliarden werde. Allein dieses Jahr benötigt die FBB von Berlin, Brandenburg und dem Bund, die einen Hilferahmen von 300 Millionen Euro bereits bewilligt haben, laut Lütke Daldrup rund 250 bis 260 Millionen Euro. 2020 werde die FBB auf jeden Fall die 375 Millionen Euro von den Gesellschaftern brauchen, die schon im alten Bussiness-Plan – erstellt vor der Corona-Krise – eingeplant waren.

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Lütke Daldrup verwies darauf, dass die FBB einen drastischen Sparkurs eingeleitet hat, mit Kurzarbeit, einem Einstellungsstopp und Abbau von 400 Stellen, wobei betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden sollen. Bislang hat die FBB rund 2100 Mitarbeiter. Außerdem sollen nach seinen Worten in den Folgejahren Investitionen gestreckt oder gestrichen werden.

Easyjet und Lufthansa landen als erste am BER

Bei der Vorbereitung der BER–Eröffnung, die vom Finanzdrama überschattet wurde, läuft nach Aussagen der Verantwortlichen alles glatt. Um Fehler zu vermeiden, habe man weltweit verpatzte Flughafeneröffnungen der letzten Jahre „akribisch ausgewertet“, sagte Bretschneider. In London-Heathrow etwa hatte man die Mitarbeiterparkplätze nicht richtig ausgeschildert, was zu einer Kettenreaktion und einem Chaos bei der Inbetriebnahme führte.

Der BER-Start soll am Nachmittag des 31. Oktober damit beginnen, dass die ersten beiden Flugzeuge – von Easyjet und der Lufthansa – zeitgleich auf der Nord- und der Südbahn am BER landen. Am nächsten Morgen startet dann das erste Flugzeug vom BER: gegen sechs Uhr eine Easyjet-Maschine, so Lütke Daldrup. Der Umzug von Tegel nach Schönefeld läuft danach eine Woche und wird am 8. November mit dem letzten Flieger, der von TXL abhebt und einer Abschiedsfeier für den City-Flughafen enden.