BVG : Verdi-Streik trifft die Falschen

Wie erwartet leiden unter dem Warnstreik der Busfahrer vor allem einkommensschwache Menschen am Stadtrand. Und es wird nicht der letzte sein. Ein Kommentar.

Das Tor ist zu. Die BVG-Busse bleiben am Donnerstag im Depot, die Busfahrer streiken
Das Tor ist zu. Die BVG-Busse bleiben am Donnerstag im Depot, die Busfahrer streikenFoto: Tobias Schwarz/AFP

Diese Tarifauseinandersetzung ist unerfreulich. Bislang reden beide Seiten nicht miteinander. Die Verhandlungsgegner schildern die bisherigen Treffen so, dass der andere "nix sagt" bzw. "nur Zettel reinreicht". Dafür hat Verdi schon den zweiten Warnstreik angezettelt.

Getroffen werden an diesen Donnerstag nur die Menschen am Stadtrand. In der Innenstadt gab es dagegen bisher kaum Probleme. Die U-Bahnen, S-Bahnen und Straßenbahnen waren etwas voller als sonst, das wars.

Unter dem Streik leiden also vor allem die Menschen, die mit wenig Geld und ohne Auto in einer Großsiedlung in den Außenbezirken leben, in die man nur mit dem Bus kommt. Einkommensschwache Menschen also. Will eine Gewerkschaft das?

Die Reihenfolge sollte doch sein: Erst verhandeln - und wenn das nichts bringt, streiken. Die nächste offizielle Verhandlungsrunde soll erst Ende März sein. Wieso dann heute ein Streik?

Miteinander kommuniziert wird nur noch über Presseerklärungen

Beide Seiten sprechen derzeit nur noch in Presseerklärungen, und in denen wird der Tonfall spürbar unfreundlicher: "Leider haben die Arbeitgeber bis heute bei den Forderungen zum Manteltarifvertrag so gut wie kein Entgegenkommen gezeigt", teilte Verdi am Mittwoch mit. „Wir fordern Verdi auf, endlich in geordnete Verhandlungen am Verhandlungstisch einzusteigen", teilten die Arbeitgeber mit.

Die Gewerkschaft will ein Ende der Zwei-Klassen-Gesellschaft bei der BVG. Wer lange dabei ist, arbeitet 36,5 Stunden. Wer nach 2005 angefangen hat, muss 39 Stunden ran. Das schafft Unfrieden in jedem Betrieb. Da hat die Gewerkschaft recht.

Die BVG entgegnet, dass sie über 500 neue Leute einstellen müsste, wenn alle nur noch 36,5 Stunden arbeiten. Dieses Personal wird die BVG nirgends finden. Hier hat die BVG recht.

Verdi handele aus Profilierungssucht, heißt es in der BVG-Spitze. Solche Versuche, mit extremen Forderungen neue Mitglieder zu werben, kennen vor allem Deutschlands Bahnfahrer und erinnern sich mit Schrecken an die vielen langen und völlig überzogenen Streiks.

Wenn Verdi jetzt versucht, der Lokführergewerkschaft GDL nachzueifern, dann gute Nacht.

Mehr zum Thema

Wie kommt Berlin durch den Streiktag? Das können Sie hier im Newsblog mitverfolgen.