„Best Buy“ und Prepaidkarten : BVG prüft neue Tarifmodelle fürs Homeoffice

Aufladbare Karten, Bestpreis-Angebote je nach Nutzung und Boni für Vielfahrer: Die Coronakrise bringt Bewegung in die Ticket-Debatte im Berliner Nahverkehr.

Die U5 am Bahnhof Alexanderplatz.
Die U5 am Bahnhof Alexanderplatz.Foto: Annette Riedl/dpa

Die BVG will angesichts der Zunahme von Homeoffice neue Tarifangebote für Bus und U-Bahn schaffen. Wenn Menschen nur noch drei Tage in der Woche ins Büro gingen, brauche man darauf zugeschnittene Tarifmodelle, sagte die Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Eva Kreienkamp, der „Berliner Morgenpost“.

Vorstellbar seien sogenannte „Best-Buy“-Möglichkeiten, bei denen der günstigste Preis je nach Nutzung abgerechnet wird - entweder der Kauf mehrere Einzelfahrscheine oder eines Wochentickets. Es solle auch „Hybrid-Formen von guten Tarifen“ geben, sagte die BVG-Chefin.

Ebenfalls denkbar seien aufladbare Karten, von denen Geld abgebucht werde abhängig von der jeweiligen Fahrt und Entfernung. Eine solche Prepaidkarte mit „Touch-Scan“ könnte irgendwann vielleicht auch messen, wir oft jemand gefahren sei, um womöglich auch einen Bonus gutzuschreiben.

„Das ist noch in den Kinderschuhen, aber da müssen wir hin“, sagte Kreienkamp. Allerdings sind aufladbare Karten für den öffentlichen Nahverkehr etwa schon aus London bekannt, wo es die „Oyster Card“ gibt. Die BVG führt ihrer Chefin zufolge derzeit Gespräche mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), wie neue Tarife aussehen könnten. Entsprechende Überlegungen des VBB und Gespräche mit dem Berliner Senat sind bereits seit Dezember bekannt.

Fahrgastaufkommen in der Coronakrise bei 50 bis 60 Prozent

Bereits im Herbst hatte die SPD Marzahn-Hellersdorf die Initiative ergriffen, ein Homeoffice-Ticket einzuführen, wie der Tagesspiegel-Leute-Bezirksnewsletter Anfang September berichtete. Im Gespräch war ein Zehn- oder Zwölf-Tages-Ticket, um über Vier-Tages-Karten hinauszugehen, aber flexibler als mit Wochen- oder Monatskarten zu sein.

Bei Verkehrspolitikern verschiedener Fraktionen im Abgeordnetenhaus fand die Idee durchaus Anklang. Im „Morgenpost“-Interview mit der BVG-Chefin war von dieser Variante nun nicht mehr die Rede. Auch sagte sie nicht, wie weit die Gespräche gediehen sind und wann die neuen Tarifmodelle kommen könnten.

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Kreienkamp, die seit Oktober 2020 im Amt ist, berichtete darüber hinaus, die Pandemie habe das landeseigene Unternehmen massiv getroffen. Das Fahrgastaufkommen liege bei 50 bis 60 Prozent der normalen Nutzung - das ist freilich doppelt so viel wie im ersten Lockdown im Frühjahr vergangenen Jahres. Allerdings könnten neue Einbußen bevorstehen: Bund und Länder wollen bei ihrer nächsten Konferenz am Dienstag auch über Beschränkungen für den öffentlichen Nahverkehr diskutieren.

Die BVG-Chefin rechnet mit 190 Millionen Euro an Einnahmeverlusten. Dies werde durch 160 Millionen Euro aus dem Rettungsschirm des Bundes und dem Land abgefedert. Die BVG steuere über Einsparungen bei Einstellungen und Investitionen weitere 30 Millionen Euro bei. (Tsp, dpa)