Berliner Airport vor dem nächsten Ansturm : Wie der BER ein Weihnachtschaos verhindern will

Der BER erwartet in den Weihnachtsferien 640.000 Passagiere, mehr als vier mal so viele wie im vorigen Jahr.

Thorsten Metzner
Vor dem Weihnachtsansturm: Das Hauptterminal des Flughafens BER in Schönefeld. 
Vor dem Weihnachtsansturm: Das Hauptterminal des Flughafens BER in Schönefeld. Foto: Monika Skolimowska/dpa

Der BER rüstet sich für den Weihnachtsansturm - und diesmal soll es klappen. Der Willy-Brandt-Airport der Hauptstadtregion will ein Chaos wie zu Beginn der Herbstferien vermeiden. Die Flughafengesellschaft Berlins, Brandenburgs und des Bundes (FBB) unter Führung von Chefmanagerin Aletta von Massenbach bereitet sich seit Wochen darauf vor.

Was bewältigt werden muss, ist nach den Meldungen der Airlines bekannt. Wie die FBB am Donnerstag mitteilte, werden vom 17.Dezember an bis nach Neujahr am BER rund 640.000 Passagiere erwartet. Das entspricht zwar nur etwa der Hälfte der Passagiere in den Weihnachtsferien 2019 vor der Corona-Pandemie, doch es ist das erste Jahresendhoch am BER überhaupt: Im Jahr 2020 war der Flugverkehr unmittelbar nach der Eröffnung des BER aufgrund des Corona-Lockdowns fast komplett eingebrochen, so dass vor einem Jahr in dieser Zeit nur 150.000 Passagiere am BER abflogen oder landeten, damals noch eine entspannte Atmosphäre im Terminal herrschte. Jetzt wird die vierfache Zahl erwartet.

Und es gibt wieder diese BER-Durchsage: "Die Flughafengesellschaft bittet deshalb alle Passagiere, sich gut auf ihre Reise vorzubereiten". Konkret wird empfohlen, "mindestens zwei Stunden vor Abflug im Terminal zu sein" und alle erforderlichen Dokumente bereit zu halten, wozu auch wegen der Corona-Regeln ein 3G-Nachweis (Geimpft, Genesen oder Getestet) gehört. 

Wieder Schnelle BER-Eingreiftruppe

Nachdem der BER in den vergangenen Wochen wiederholt in die Negativschlagzeilen geriet, zuletzt wegen Enteisungsproblemen, sind die Verantwortlichen in Alarmbereitschaft. Die Vorbereitung auf den Weihnachtsansturm hatte auch die Sitzung der Gesellschafterversammlung der drei Eigner letzten Freitag bestimmt. Man habe die Erwartung an die Geschäftsführung bekräftigt, "dass die Abläufe und Prozesse an unserem Flughafen funktionieren", sagte Brandenburgs Finanzministerin Katrin Lange (SPD) jüngst. 

Das ist gar nicht so einfach, da der Flughafen in den vergangenen Monaten wiederholt auch den Frust für Defizite und Versäumnisse von Partnern am BER abbekam, etwa wenn die von den Airlines beauftragten Bodendienstleister zu wenig Personal für die Gepäckarbeiten hatten oder die Bundespolizei wegen Personalmangels beim beauftragten Dienstleister Securitas zu wenige Kontrollspuren in Betrieb nahm. Von Massenbach hatte bekräftigt, dass sich die FBB dennoch in der Verantwortung sieht. 

320 BER-Mitarbeiter im Weihnachtseinsatz 

Wie die FBB mitteilte, werden "an jedem Weihnachtstag (....) allein von der Flughafengesellschaft rund 320 Beschäftigte mit dafür sorgen, dass Reisende sicher ans Ziel kommen." Es soll wieder eine schnelle BER-Eingreiftruppe eingesetzt werden, die sich im Krisenmanagement nach dem Herbstferienchaos bewährt hatte, wo es am Samstag des Ferienstarts im Terminal zu Gedränge und stundenlangen Wartezeiten samt verpassten Flügen für Passagiere gekommen war.

"Um in der Weihnachtsreisezeit die Passagierabläufe zu stabilisieren, hält die Flughafengesellschaft Unterstützungsteams für die besonders verkehrsreichen Phasen rund um den 17. Dezember und den 2. Januar bereit", heißt es. Damals hatte die FBB zusätzlich 40 Mitarbeiter eingesetzt, die beim Entladen der Flugzeuge und dem "Schlangen-Management" im Terminal halfen, wo zu wenig Platz zwischen den Check-In-Inseln und den Sicherheitskontrollen ist. 

An den Spitzentagen der Herbstferien waren 60.000 Passagiere am BER angekommen oder abgeflogen. Über Weihnachten bis Neujahr rechnet die FBB mit etwa 45.000 Passagieren an den voraussichtlichen Spitzentagen, nämlich am Freitag, 17.12., dem vorzeitigen Beginn der Schulferien in Brandenburg, und dann am 2.Januar 2022 mit dem Rückreiseverkehr, hieß es es. Die Größenordnung von 45.000 Passagieren täglich hatte der BER bereits problemlos bewältigt. 

Aktuell können vom BER aus 118 Ziele in 46 Ländern angeflogen werden. Laut FBB sind für die Weihnachtsferien neben innerdeutschen Flügen, Österreich und der Schweiz besonders "Ziele in Spanien, Großbritannien, Italien, Frankreich und der Türkei gefragt." 

Worauf BER-Passagiere achten sollten

Die Flughafengesellschaft bittet Reisende, die folgenden Hinweise zu beachten, damit es beim Einchecken und den Kontrollen nicht zu unnötigen Verzögerungen kommt:

  • sich rechtzeitig über die Reisebedingungen und Einreisebestimmungen im Zielland und für die Rückkehr zu informieren 
  • sich über die Anreise zum BER zu informieren und zu beachten, dass im öffentlichen Nahverkehr die 3G-Regelung gilt
  • den Flugstatus vorab bei der Airline zu prüfen
  • die Reisepapiere zu überprüfen und diese vollständig und griffbereit zur Hand zu haben: Neben den Unterlagen für den Flug benötigen Passagiere einen digitalen Impfnachweis und – je nach Zielland – eine Einreiseanmeldung in digitaler Form oder in Papierform
  • wenn erforderlich, den notwendigen Corona-Test im vorgegebenen Zeitraum durchzuführen
  • richtig zu packen – pro Passagier bitte nur ein Handgepäckstück
  • mindestens zwei Stunden vor Abflug im Terminal zu sein
  • Abstand zu anderen Reisenden zu halten 
  • einen medizinischen Mund-Nasen-Schutzes im Terminal zu tragen
  • zu beachten, dass in den Restaurants, Geschäften und Lounges am BER die 2G-Regel gilt, d.h. Passagiere, die diese Einrichtungen nutzen möchten, müssen geimpft oder genesen sein 
  • zu beachten, dass im Flugzeug die 3G-Regel gilt, d.h. alle Reisenden im In- und Ausland sind verpflichtet, einen Nachweis darüber bei sich zu tragen, dass zum Zeitpunkt des Reiseantritts keine Infektion mit dem Coronavirus (Test-, Impf- oder Genesenen-Nachweis) vorliegt. Kinder unter 12 Jahren sind von der Nachweispflicht befreit
  • direkt nach Check-in und Gepäckaufgabe durch die Sicherheitskontrolle zu gehen und die Bordkarte bereits vor Passieren der Bordkartenkontrolle parat zu haben
  • die Anzeigen zu den Wartezeiten an den Sicherheitskontrollen (vor Ort oder auf der Webseite) zu beachten und sich zu der Kontrolle mit den kürzesten Wartezeiten zu begeben

Außerdem bittet die FBB "für einen weitestgehend kontaktlosen Ablauf am Flughafen" Passagiere, wenn möglich den Self-Service zu nutzen und ihren Check-in, aber insbesondere die Gepäckaufgabe, über die Self-Service-Automaten zu erledigen. Mit easyJet, der Lufthansa-Group, Eurowings, Air France/KLM, airbaltic und Norwegian bieten bereits mehrere Airlines ihren Passagieren diesen Service vollständig oder teilweise an. 

Andrang wie in den Herbst- oder Weihnachtsferien bleibt auch am BER weiter die Ausnahme. Im Jahr 2021 wird der Airport, es ist das erste volle Betriebsjahr nach der Eröffnung im Oktober 2020, zwischen 9,4 und 9,7 Millionen Passagiere abfertigen, sagte von Massenbach jüngst im Brandenburger Landtag. Das ist noch weniger als die angepeilten 10 Millionen Passagiere. Vor der Corona-Krise waren 2019 an den Berliner Flughäfen 35,6 Millionen Passagiere abgefertigt worden.

Für das kommende Jahr peilt der BER 17 Millionen Passagiere an. Zu den Osterferien soll das zweite BER-Terminal in Betrieb genommen werden. Und die FBB hat jetzt, wie berichtet, Thomas Hoff Andersson als neuen Geschäftsführer für den operationellen Betrieb angeheuert, der ab 1.Mai 2022 für frischen Wind, bessere Abfertigungsabläufe und zufriedene BER-Passagiere sorgen soll.